Ausgewählte Wanderrouten durch das Oderbruch und die ehemalige Neumark

 

Präsentiert von den Natur und Wanderfreunden Barnim-Oderland 

Reitweiner Berge

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir beginnen die Wanderung am Hahtenower Weg, gegenüber dem Pfarrhaus.  Von dort aus geht es zunächst den zur Kirchenruine führenden Pfad hinauf.  Die frühere Reitweiner Dorfkirche wurde in den Fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts auf Geheiß des damaligen Besitzers von Reitwein, dem Grafen Fink von Finkenstein, erbaut.

Theodor Fontane, der einige Jahre später Reitwein anlässlich seiner " Wanderungen durch die Mark Brandenburg" besuchte, gefiel die Kirche so sehr, dass er eine Zeichnung von dem Bauwerk anfertigte.

Des Weiteren ließ der bekannte Dichter die Kirche zu einem der Handlungsorte seines Romanmehrteilers

" Vor dem Sturm" werden.

Im Februar / März / April 1945, tobten in und um Reitwein schwere Kämpfe. Wobei, neben vielen anderen Häusern des Ortes, auch die Kirche schwer beschädigt wurde. 

Zum Beginn des neuen Jahrtausends konnte wenigstens der Kirchturm, der seitdem wie vor dem Zweiten Weltkrieg weithin im Oderbruch zu sehen ist, restauriert werden. In der Ruine des Kirchenschiffs finden im Sommer Konzerte statt.

Von der Kirche geht es hinunter auf den Sandweg und an den leerstehenden, halb zerfallenen ehemaligen Arbeiterhäusern, zur " Frankfurter Straße".  Ein die Reitweiner Berge nach Süden hin, über Wuhden und Klessin bis nach Podelzig durchziehender Hohlweg.  

Bei diesem handelt es sich um den Teil einer mittelalterlichen, von der Ostsee bis nach Leipzig  reichenden Handelsstraße. 

Wir folgen der ehemaligen Handelsstraße, auf der zum Teil Pflastersteine zu erkennen sind, zunächst in südlicher Richtung.

Am 10. August 1759 zog König Friedrich der Große von Preußen, an der Spitze seines Heeres, von Wulkow bei Booßen kommend, über diese Straße erst nach Reitwein. Ehe er unweit des Dorfes, gegenüber dem Städtchen Göritz, über die Oder setzte und von dort aus weiter in die " Schlacht von Kunersdorf" zog.

Überliefert ist weiterhin, dass wenige Tage später, nach der verheerenden Niederlage  gegen eine vereinigte, aus Russen und Österreichern bestehenden Streitmacht, die geschlagenen Preußen hier auch den Rückweg antraten.

Auf der linken Seite sehen wir den so genannten Kaiserberg. Dort soll, der Überlieferung nach, im frühen Mittelalter, ein späterer deutscher Kaiser, auf dem Weg zur Krönung, eine Rast eingelegt haben. Diese Version ist jedoch sehr umstritten und durch keine offiziellen Niederschriften belegt.

Beinahe überall, sowohl an den Wegesrändern als auch abseits davon, kann man mit bloßem Auge den Verlauf von Schützengräben und Stellungen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges erkennen. 

Nach etwa einem Kilometer weist ein unscheinbares Holzschild auf  die so genannte " Schöne Aussicht" hin. Wie es der Name bereits verrät, verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung ein Aussichtspunkt am Ostrand der Reitweiner Berge.  Um dort hin zu gelangen, folgt man den gut erkennbaren, ca. einhundert Meter langen Pfad. 

Von einer Freifläche, zu der auch eine Bank und eine Informationstafel zur geologischen Geschichte des Oderbruchs gehören, bietet sich dem Wanderer mehr als nur eine " Schöne Aussicht". Nach Osten hin geht der Blick über die Oder hinweg, bis weit ins polnische Nachbarland hinein. Kirchtürme, selbst einige Häuser, sind bei entsprechender Fernsicht gut zu erkennen. 

Im Süden erscheinen die Hochhäuser von Frankfurt (Oder), darunter der bekannte " Oder-Turm", sowie Nikolai und Marienkirche am Horizont. 

Nachdem wir uns satt gesehen haben, geht es zurück zur " Frankfurter Straße".  Nach wenigen Metern stoßen wir auf der rechten Seite auf eine mächtige, ca. 400-500jährige Eiche.   Diese Eiche hat schon Friedrich den Großen, Theodor Fontane und den sowjetischen Heerführer Georgi Schukow " gesehen". 

Nachzutragen ist noch, dass in Fontanes bereits erwähnten, in der Zeit der Befreiungskriege gegen die napoleonische Fremdherrschaft spielenden Romanmehrteiler " Vor dem Sturm", die " Lebuser Landwehr" über diesen Hohlweg zum Kampf gegen eine französische Garnison in Frankfurt ( Oder) zog. 

Wenige Meter weiter geht es nach links zum " Slawischen Burgwall".  Dieser gliedert sich in einen Außen und einen Innenteil. Die aufgeschütteten Umwallungen sind noch heute sehr gut erhalten.  

Im Burgwall lebte, bis Ende des 10.Jahrhunderts, das slawische Volk der Leubuzzi.  Der Untergang dieses Volkes und die damit einhergehende Zerstörung der " Slawenburg Reitwein", sehen Historiker im engen Zusammenhang mit der Westexpansion des jungen polnischen Staates. 

Der berühmte deutsche Archäologe Dr. Wilhelm Unverzagt, führte in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts im Reitweiner Burgwall umfangreiche Grabungen durch. Neben einer Vielzahl von Alltagsgegenständen aus dem Leben der slawischen Ureinwohner der Region, stießen die Forscher auch auf die Spuren eines verheerenden Brandes.  Zwar kein Beweis, dennoch ein wichtiges Indiz für eine  gewaltsame Zerstörung der einst dicht bevölkerten Anlage. 

Bei den Grabungen wurde des Weiteren ein menschlicher Schädel aufgefunden. Das wirklich interessante daran ist, dass der Schädel offenbar mittels eines scharfen Gegenstandes vom Rumpf getrennt wurde. Der Schädelfund wird als ernst zunehmender Hinweis gewertet, dass die Slawen einst im Reitweiner Burgwall ihren Göttern Menschen opferten. 

Der Burgwall grenzt im Norden an den " Biergrund" und im Süden an den Nachtigallengrund.  Tiefe, von Laubbäumen bestandene kleine Schluchten, 

Jetzt gehen wir zurück zur " Dicken Eiche".   Nun geht es in westlicher Richtung zu " Schukows Befehlstand". Der Weg dorthin ist geradezu überdeutlich ausgeschildert. Mit einigem Glück, kann man auf dem Weg dorthin, Wild begegnen.  Zumeist Rehe. Aber auch Füchse und Wildschweine.  Um die hier lebenden Tiere nicht zu stören, sollte man die ausgewiesenen Wanderwege nicht verlassen! Zumal eine Begegnung mit einer Frischlinge führenden Bache durchaus lebensgefährlich sein kann.

Nach ein paar hundert Metern haben wir den Fuß jenes Berges erreicht, von dem aus Marschall Georgi Schukow am 16. und 17. April 1945, die historische Schlacht um die " Seelower Höhen" leitete. 

Auch hier sind die Originalstellungen noch deutlich zu erkennen.  Zur Ergänzung wurden vor einigen Jahren einige Unterstände nachgebaut.  Aussagekräftige Informationstafeln berichten in Wort und Bild von den Ereignissen im April 1945.

Mittels einer ebenfalls nachgebauten Treppe gelangt man nach oben auf dem Berg. Der eigentliche Befehlsbunker Schukows wurde im Jahre 1983, von  NVA-Pionieren aus Storkow, aus Sicherheitsgründen, zugeschüttet. 

Reste der Laufgräben sind jedoch noch immer vorhanden, so dass der Wanderer auf den Spuren der sowjetischen Generäle wandeln kann. 

Bis zum 18. Jahrhundert befanden sich von einer Quelle gespeiste Forellenteiche im Umfeld des Berges.  Leider fielen Quelle und Teiche einem Erdrutsch zum Opfer.

Wir gehen nun wieder zurück zum Dorf.  Stets dem Verlauf des Weges folgend. Wieder am Pfarrhaus angelangt, begeben wir uns hinüber auf die gegenüberliegende Straßenseite.

Zwei  einsame Pfeiler markieren die frühere Einfahrt zum ehemaligen Schlosshof.  Rechts davon ruhen die in und um Reitwein gefallenen Sowjetsoldaten auf einem Ehrenhain.

Vom Schloss selbst ist heute nichts mehr zu sehen. Lediglich ein beschrifteter Stein markiert den einstigen Standort. 

Dankenswerter Weise wird der interessierte Wanderer auch an dieser Stelle durch kompetent gestaltete Tafeln über die Geschichte des Schlosses und seinen hochinteressanten Besuchern, in Kenntnis gesetzt.

Wer weiß schon, dass hier an dieser Stelle, im August 1759, quasi die Weichen für die weitere europäische Politik gestellt wurden? Verbrachte doch der von Selbstmordgedanken gequälte Preußenkönig die ersten Tage nach der verheerenden Niederlage im Schloss zu Reitwein. 

Europa würde heute wohl anders aussehen, wenn Friedrich der Große seinem Leben in Reitwein ein Ende gesetzt hätte. 

Als einziges Möbelstück hat ein aus dem Siebzehnten Jahrhundert stammender steinerner Stuhl die Wirren der Zeit überstanden.  Möglicherweise hat Friedrich der Große, in seinen dunkelsten Stunden in Reitwein, auf eben diesen Stuhl gesessen. Und nach ihm Theodor Fontane.  Erfahren werden wir es wohl nie. Aber was wäre unsere Welt ohne ungelöste, die Phantasie anregende Geheimnisse? Von denen Reitwein und seine Umgebung im Übermaß verfügen.

 

 


Priesterschlucht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Priesterschlucht erreicht man entweder von Podelzig aus, in dem man dem Weg nach Reitwein folgt, oder direkt von der Bundesstraße 112 aus.  Am ehemaligen Übergang der einstigen Bahnlinie Küstrin-Kietz-Frankfurt (Oder), weisen Schilder auf die dort nur wenige Meter entfernte Priesterschlucht hin.

Ein Besuch der Priesterschlucht lohnt sich am besten im Frühling. Vorzugsweise im April und Mai, in der Blütezeit der Vegetation. 

Einen besonders herrlichen Anblick bieten die nur kurze Zeit, im April, goldgelb blühenden Adonisröschen. 

Diese normalerweise nur in den Steppenregionen Russlands vorkommende Blumenart, verdankt ihre Existenz in der  eigentlich fremden Umgebung, dem für die " Seelower Höhen" zwischen Dolgelin und Reitwein typischen, vorwiegend durch das Hüten von Schafherden entstandene Trockenrasen. 


Mallnow

Mallnow, romantisch gelegen auf den Seelower Höhen, lockt das ganze Jahr über Touristen an. Neben dem ausgeschilderten, nicht nur in der Blütezeit der Adonisröschen empfehlenswerten Wanderweg durch die Berge, gehört ein liebevoll gepflegter Streichelzoo zu den Attraktionen des kleinen Dorfes.

Von der Bruchkante kann man weit über das Oderbruch schauen.


Durch die Seelower Höhen von Carzig nach Dolgelin


Wanderweg " Altstadtblick" Küstrin-Kietz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Wanderweg " Altstadtblick" nimmt seinen Anfang in unmittelbarer Nähe der Grenzbrücke. Durch einen schmalen Spalt am Tor, gelangt man zunächst auf das jahrelang abgesperrte, frühere Kasernengelände.  Zu den ersten Sehenswürdigkeiten gehört, neben der Schiffsangelegestelle und dem ehemaligen Dammeisterhaus, die ca. zweihundertfünfzig Jahre alte Friedrichseiche. Diese wurde Ende des 18. Jahrhunderts, zu Ehren des Preußenkönigs Friedrich II. gepflanzt.

Der Weg führt zunächst in der Nähe der Oder entlang. Wie es der Name bereits verspricht, hat der Wanderer von hier aus einen wunderschönen Blick auf die Festung Küstrin.

Auf der rechten Seite breitet sich immer mehr eine regelrechte, die letzten Spuren militärischer Nutzung und ziviler Besiedlung bedeckende Wildnis aus.  Des Weiteren stößt man auf einen vor langer Zeit abgeriegelten, danach trocken gefallenen ehemaligen Flußlauf und einen fischreichen Oderarm.

Auf der Oderinsel  leben eine Vielzahl  vom Aussterben bedrohter Tier und Pflanzenarten. Biber, Fischotter, Schwarzstorch, Seeadler, Eisvogel und Schwarzpappeln finden hier ein Refugium. Grund genug, die Oderinsel nur zum geringen Teil für den Tourismus freizugeben. Aber auch die gut 1, 5 km Wanderweg halten einiges an Überraschungen parat. Für den Wanderer ebenso, wie für den Fotografen.

 


Podrzecze ( Hälse)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das einzigartige Naturschutzgebiet Podrzecze liegt dem deutschen Dorf Kienitz genau gegenüber.  Bis 1945 verband eine Wagenfähre beide Ufer  der Oder. Heute findet man zwischen dem Dorf Podrzecze ( Hälse) und dem Grenzstrom, eine einzigartige, Naturbelassene Lanschaft. Zu deren Besonderheiten  unter anderem eine große Sanddüne gehört.