Unsere Forschungsprojekte

Hallo Leute!

 

Unser Verein forscht zu den unten genannten Themenfeldern.  Wir sind dabei sehr interessiert an 

 

- Zeitzeugenberichten

 

- Kopien von Fotos oder Unterlagen

 

und sonstigen sachdienlichen Hinweisen.

 

Wer uns unterstützen möchte, den bitten wir mit uns über die Rufnummern

033479 / 59024 oder 0172 5133721  oder über unser Kontaktformular in Verbindung zu treten.

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1.Zusammenleben an der deutsch-polnischen     Grenze am Beispiel der heutigen Orte Küstrin-Kietz und Kostrzyn

Die Geburtsstunde der heutigen deutsch-polnischen Grenzregion schlug nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auf Beschluss der Sieger dieses bislang mörderischsten aller Kriege, wurde die West-Grenze Polens bis an Oder und Neiße verschoben. Dafür verlor Polen weite Territorien im Osten. Die dort seit vielen Generationen siedelnde Bevölkerung verlor ihre Heimat. Diese Menschen wurden zum größten Teil gegen ihren Willen viele hundert Kilometer weit nach Westen transportiert. In Gebiete, die zuvor, ebenfalls seit vielen Generationen zu Deutschland gehörten und von zum allergrößten Teil von Deutschen bewohnt und nicht unwesentlich geprägt wurden. 

Diese Menschen verloren ebenfalls ihre Heimat. An ihre Stelle traten die aus dem Osten umgesiedelten Polen. Ein gewaltiger Bevölkerungsaustausch, der in der Geschichte seines Gleichen sucht. 

Die Existenz der neuen Staatsgrenze führte nicht nur zur Vertreibung der einheimischen und zur Ansiedlung einer zunächst fremden Bevölkerung, sie zerriss auch einen seit Jahrhunderten zusammengewachsenen Lebensraum - Oderbruch und Neumark. Das konnte nicht ohne Folgen bleiben. In der Wahrnehmung der meisten hier lebenden Menschen spielte diese Trennlinie, die in den ersten Jahren und Jahrzehnten zudem "geschlossen" war und nicht übertreten werden konnte, eher eine negative Rolle. Trennte sie doch nicht nur zwei Staaten bzw. Völker von einander, sondern vielfach vor allem Menschen von ihrer früheren Heimat. 

 

 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Die Propaganda bemühte sich von Anfang an die Verhältnisse an dieser Grenze möglichst rosig darzustellen.

Die nach Westen vertriebenen polnischen Bevölkerung stand ihrer neuen, obendrein von immensen Kriegsschäden gezeichneten Heimat zum größten Teil ablehnend gegenüber. 

Wie auch in der benachbarten " Sowjetischen Zone" bzw. der späteren DDR, versuchte auch hier die Propaganda die Existenz dieser Grenze und den Bevölkerungsaustausch nicht nur zu rechtfertigen, sondern obendrein zu glorifizieren.


Neuer Tag aus dem Jahr 1952         Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Neuer Tag aus dem Jahr 1952 Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Wie entwickelte sich das Zusammenleben beider Völker an dieser unterschwellig durchaus spannungsgeladenen, nicht unumstrittenen Staatsgrenze? Wie entwickelten sich im Verlauf der Jahrzehnte die Kontakte zwischen den Einwohnern von Kietz und Kostrzyn? Welche Rolle spielte der Grenzbahnhof Kietz und später der Grenz-Gemeinschafts-Bahnhof Kostrzyn, bei der Annäherung zwischen Deutschen und Polen? 

 

Diesen Fragen möchte unser Verein in den kommenden Jahren intensiv nachgehen. Wir würden uns sehr über die Hilfe und Unterstützung von Zeitzeugen freuen. Dieser Teil der Geschichte ist bislang kaum erforscht, noch weniger aufgearbeitet worden.  Die Gefahr besteht, dass kommende Generationen darüber nichts mehr erfahren werden.  

Dieser Gedenkstein erinnert an die ersten polnischen Siedler in Kostrzyn nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.
Dieser Gedenkstein erinnert an die ersten polnischen Siedler in Kostrzyn nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

2. Kietz (Kreis Seelow)-Erinnerung an einen "verschwundenen Ort".

Küstrin-Kietz, ab 1954 kurzzeitig in Friedensfelde und dann in Kietz umbenannt, war durchaus kein " normaler Ort in der früheren DDR".  Bis 1945 gehörte das Areal des heutigen Küstrin-Kietz zur Stadt Küstrin. Durch die Verschiebung der polnischen Westgrenze verlor das einen kleinen Teil der Altstadt, die sogenannte " Kuhbrücken-Vorstadt" und den eigentlichen Stadtteil Küstrin-Kietz umfassende Stadtgebiet westlich der Oder die Verbindung zum übrigen Stadtgebiet östlich der Oder und damit der neuen Staatsgrenze.  Aus drei ehemaligen Stadtteilen war " per Federstrich" ein Grenzort geworden. 

Die Kinder der Kietzer Familie Schenke Ende der Fünfziger Jahre Bildquelle; Waltraud Loist
Die Kinder der Kietzer Familie Schenke Ende der Fünfziger Jahre Bildquelle; Waltraud Loist

Nach dem Ende der schweren Kämpfe Anfang 1945, waren 75 % der früheren Bevölkerung aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in ihre Heimat zurückgekehrt. Dafür wurden auch in (Küstrin)-Kietz mehrere Familien aus den ehemaligen "Ostgebieten" angesiedelt. 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Für eine weitere Veränderung der ursprünglichen Bevölkerungsstruktur sorgte der Ausbau des ehemaligen "Provinzbahnhofs" Kietz zu einem der größten und bedeutendsten Umschlagplätze für den Güter und - Militärverkehr an der Grenze zur damaligen Volksrepublik Polen. 

Der hohe Bedarf an Arbeitskräften sorgte für einen Zuzug von Eisenbahnern und deren Familien aus der gesamten DDR. Neben Eisenbahnern, fanden auch Zöllner und Grenzpolizisten im damaligen Kietz eine neue Heimat. 


Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Das Zusammenleben zwischen der eingesessenen Bevölkerung und den "Zugereisten" blieb nicht ohne Spannungen.  Dazu gesellten sich noch ideologische Konflikte. 1954 wurde Küstrin-Kietz nach dem Willen der SED-Führung zunächst in Friedensfelde, später in Kietz umbenannt. Küstrin galt als Synonym für Militarismus und Krieg. Viele Einwohner , vor allem die "Ureinwohner" lehnten diesen Schritt still schweigend ab. Aber wie sahen die " Neu-Kietzer" diesen einzig und allein politisch motivierten Schritt? Diese Frage ist bis heute nicht erforscht worden.

Fakt ist, dass ein Großteil der Bevölkerung entweder von vornherein keine Bindung an die frühere Stadt besaß oder im Laufe der Zeit verlor. Das trifft in besonderen Maße auf spätere Generationen zu. Nicht umsonst bezeichnen sich die heutigen Einwohner, selbst noch fast dreißig Jahre nach der Rückbenennung, einzig und allein als Kietzer. Und nicht als Küstriner. 

Kietz in der Beurteilung des MfS      Quelle: BSTU / Außenstelle Frankfurt (Oder)
Kietz in der Beurteilung des MfS Quelle: BSTU / Außenstelle Frankfurt (Oder)

Kein Ort im früheren Kreis Seelow und wohl nur wenige Orte in der ehemaligen DDR, standen derart im Fokus gleich mehrerer, sich feindlich gegenüber stehender Geheimdienste wie Kietz (Kreis Seelow). 

Der Grenzbahnhof, über den auch unzählige sowjetische Militärtransporte liefen, stand genauso im Mittelpunkt des Interesses, wie die beiden am östlichen Ortsrand stationierten sowjetischen Regimenter und deren Waffentechnik. 

Die einen wollten Geheimnisse erkunden. Und die anderen wollten die Erkundung verhindern. 

Quelle: BSTU / Außenstelle Frankfurt (Oder)
Quelle: BSTU / Außenstelle Frankfurt (Oder)

Die ständigen realen oder auch nur vermuteten "Angriffe" westlicher Geheimdienste führten bei der Staatssicherheit der DDR zu einer regelrechten " Spionage-Hysterie". Diese gipfelte 1967 in einer gigantischen Überprüfung der gesamten Bevölkerung , des Personals des Grenz-Bahnhofs sowie den Zöllnern und Grenzpolizisten. Fortan wurde die Bevölkerung sowie die hier tätigen Menschen in " Risikogruppen" eingeteilt und speziell überwacht. 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Von Beginn an versuchte die SED-Führung Kietz (Kreis Seelow) in ein sozialistisches Musterdorf zu verwandeln. Ende 1958 wurden wichtige Schlüsselstellungen im Ort mit erprobten SED-Funktionären aus Berlin besetzt. Zuvor hatte eine " Kontroll-Brigade" vom Partnerbezirk Berlin-Mitte, Kietz wochenlang nach ideologischen Schwachstellen untersucht. 

Großen Erfolg konnten die Männer aus Berlin nicht verzeichnen.  Die eingesetzten Funktionäre sollten nach relativ kurzer Zeit desillusioniert aufgeben.

 Das Kulturhaus während der Bauphase 1952  Bildquelle: Marianne Grzyk
Das Kulturhaus während der Bauphase 1952 Bildquelle: Marianne Grzyk

Kietz (Kreis Seelow) hob sich in kultureller Hinsicht durchaus positiv von den übrigen Orten in der Region ab. Diesen Umstand verdankt der Ort vor allem der Existenz des 1953 erbauten "Kulturhaus der Eisenbahner" und damit auch des Grenz-Bahnhofs in dessen Trägerschaft das Kulturhaus stand. 

Neben den üblichen Versammlungen und Propagandaveranstaltungen fanden in dem Gebäude aber auch eine Vielzahl von Feiern, Kinoveranstaltungen, Buchlesungen und Tanzveranstaltungen statt. Außerdem fanden zahlreiche Arbeitsgemeinschaften und Vereine unter dem Dach des Kulturhauses ein Domizil.

Tanzabend im Kulturhaus der Eisenbahner, Anfang der Siebziger Jahre  Bildquelle: Marianne Grzyk
Tanzabend im Kulturhaus der Eisenbahner, Anfang der Siebziger Jahre Bildquelle: Marianne Grzyk
Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Neben dem Grenzbahnhof und der LPG gehörte das am westlichen Ortseingang gelegene Armaturenwerk zu den größten Arbeitgebern im Ort. 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Wie überall waren auch im Armaturenwerk Kietz, dem einzigen Betrieb der DDR in dem sogenannte Feuerwehrarmaturen produziert wurden, die Grenzen zwischen tatsächlicher Leistung und inszenierter Propaganda zuweilen fleißend. 

Bis 1989 galt das Armaturenwerk als Vorzeigebetrieb. Den Sprung in die Marktwirtschaft sollte das Armaturenwerk jedoch nicht schaffen. Die Produktionsanlagen erwiesen sich schnell als zu alt und zu ineffektiv. 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Kietz (Kreis Seelow) besaß eine Teil-Oberschule mit dazugehörigem Hort, einen Kindergarten und eine Kinderkrippe und einen Jugendklub.  

Die Schule wurde durch den Protest des Lehrers Rudi Vogt gegen den Mauerbau, 1961, bekannt. Als der Lehrer wegen seiner Haltung aus dem Schuldienst entlassen werden sollte, sorgte der Protest vieler Eltern dafür, dass die vorgesetzte Schulleitung in Frankfurt (Oder) am Ende von diesem Schritt Abstand nahm.

Auch im Jugendklub spielte Politik eine wichtige Rolle  Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Auch im Jugendklub spielte Politik eine wichtige Rolle Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

3. Der Grenzbahnhof Kietz

Bildquelle: Paul Rehfeld
Bildquelle: Paul Rehfeld

Die Erforschung der Geschichte des früheren Grenzbahnhofs Kietz gehört zu den wichtigsten Vorhaben unseres Vereins. Bereits jetzt haben wir in verschiedenen Archiven verschiedene Dokumente zu diesem Thema zusammengetragen. Darüber hinaus sind wir auch hier wieder sehr an authentischen Zeitzeugenberichten interessiert. Wir würden uns sehr über Unterstützung aus den Reihen der ehemaligen Eisenbahner etc. freuen. 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

4. Die sowjetischen Garnisonen

ehemalige Truppenunterkunft auf der Oderinsel
ehemalige Truppenunterkunft auf der Oderinsel

Über Jahrzehnte haben sie zum Ortsbild von Kietz (Kreis Seelow) gehört . Die einen nannten sie "Freunde", die anderen " Russen", "Sowjets", "Iwans" oder gar " Besatzer".  Fakt ist, dass sich im Lauf der Zeit zwischen der Bevölkerung und den erdbraun uniformierten Soldaten, ein besonderes, zuweilen ambivalentes Verhältnis herausgebildet hatte. Soldaten tauschten billiges Benzin gegen Zigaretten und Alkohol.  Soldaten halfen auch bei der Ernte und anderen Arbeiten im und in der Nähe des Ortes. Es gab auch Deutsche, die immer wieder zu Feierlichkeiten in den beiden am Ostrand von Kietz vorhandenen sowjetischen Kasernen teilnahmen. 

Andererseits kam es immer wieder zu nächtlichen Streifzügen hungriger Soldaten durch die Gärten von Kietz. Sowjetische Militärtransporte belasteten im wahrsten Sinn des Wortes, Wege und Straßen. Vorschriftswidrige Schießübungen sorgten für Gefahren. Und "Schwarzfischen" mittels Handgranaten für eine Reduzierung des Fischbestandes. 

 

Trotzdem gehört die Phase der  sowjetischen Besatzung zur Geschichte unseres Ortes. Wie fast die gesamte Nachkriegsgeschichte von Küstrin-Kiez ist auch dieser Aspekt bislang noch wenig erforscht worden. 

 

Schautafel in einer Truppenunterkunft auf der Oderinsel
Schautafel in einer Truppenunterkunft auf der Oderinsel