Die sowjetische Garnison Kietz (Kreis Seelow)


Gestellte Propaganda oder echte Freundschaft?  Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Gestellte Propaganda oder echte Freundschaft? Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

 

Bereits früh bestimmte die sowjetische Armee in der Nachkriegszeit das Leben in unserem Ort. Die sowjetischen Offiziere teilten die Arbeit ein, bestimmten wer Bürgermeister wird und fahndeten nach tatsächlichen oder vermeintlichen "Nazis". 

1950 bezog ein Regiment die frühere, vom Herbst 1950 bis zum Frühjahr 1950 vorübergehend durch die " Volkspolizei" genutzte Artilleriekaserne. Später entstand eine weitere Kasernenanlage am Reitweiner Damm. 

Das Verhältnis zwischen den Soldaten und der Bevölkerung gestaltete sich relativ positiv. So entwickelte sich zum Beispiel ein schwunghafter illegaler Handel mit billigen Kraftstoff, der mit Schnaps und Zigaretten bezahlt wurde. Andere Einwohner klagen noch heute über die nächtlichen Diebstahlstouren hungriger Soldaten durch die Kietzer Gärten. Fakt ist aber auch - ohne die tatkräftige Hilfe der Sowjetarmee hätten manche Arbeiten im Dorf 

nicht durchgeführt werden können.

Bildquelle : Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Bildquelle : Kreisarchiv Märkisch-Oderland

 

Artikel wie dieser sollten das " besondere Freundschaftsverhältnis" zwischen der Bevölkerung und den sowjetischen Soldaten und deren Angehörigen unter Beweis stellen.

Am 15. Mai 1991 verabschiedete der damalige Bürgermeister von Kietz Waldemar Rosolowski, die Angehörigen der sowjetischen Garnison Kietz in die Heimat. An jenem Tag endete eine durchaus widersprüchliche Ära. Die, ungeachtet aller Widersprüche, Teil unserer Geschichte ist.

Russische Folklore am Eingang eines ehemaligen Unterkunftsgebäudes  im Jahr 2012
Russische Folklore am Eingang eines ehemaligen Unterkunftsgebäudes im Jahr 2012

 

Auf der Oderinsel hat die jahrzehntelange Anwesenheit der sowjetischen Armee an und in den Gebäuden, aber auch in der Natur, ihre noch heute sichtbaren Spuren hinterlassen.

 

Tafeln wie diese dienten der Schulung der Soldaten. 

Verabschiedung in die Heimat    Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Verabschiedung in die Heimat Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Angetreten zum letzten Appell.

 

Dieses Plakat diente in einer Soldatenunterkunft als Wandverzierung. 

Sowjetische Soldaten aus der Garnison Kietz, Ende 1990     Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Sowjetische Soldaten aus der Garnison Kietz, Ende 1990 Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

So sahen sie aus, die Soldaten der sowjetischen Garnison Kietz. Sympathische, gutmütige Gesichter lächeln uns aus einer längst vergangenen Zeit an. Diesen Gesichtern sieht man die hier erlittenen Strapazen und Entbehrungen nicht an. Urlaub gab es für den überwiegenden Teil Soldaten während ihrer zweijährigen Dienstzeit nicht. Außerdem mussten sie noch weitere Härten, zum Beispiel Schikanen von Vorgesetzten oder dienstälteren Kameraden erdulden. Kein Wunder, dass immer wieder heimwehkranke Soldaten über die polnische Grenze in Richtung Heimat desertierten. Angekommen ist dort sicher niemand.

 

Diese Armeezeitschrift gehörte auch in der Garnison Kietz zur Pflichtlektüre der Soldaten.

 

Diese Uniformjacken haben schon lange ausgedient.

 

Blick auf das frühere Stabsgebäude im Jahr 2012

 

Im Jahr 2010 wurde der größte Teil der nicht aus deutscher Zeit stammenden, sondern von der Sowjetarmee erbauten Gebäude abgerissen.  Dieses Foto zeigt das frühere Kulturhaus, in der verschiedene Feiern stattfanden. An diesen Feiern nahmen auch Delegationen und ausgesuchte Einwohner aus der Umgebung teil. 

ehemaliges Wohnhaus des Regimentskommandeurs

Blick auf den Kasernenhof im Jahr 2014

Das Gelände der " Chemiker-Kaserne" im Frühjahr 1992    Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Das Gelände der " Chemiker-Kaserne" im Frühjahr 1992 Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Mittlerweile völlig verschwunden ist die frühere "Chemiker-Kaserne" am Reitweiner Damm. 1992 zog dort vorübergehend die Gemeindeverwaltung Küstrin-Kietz.  Seitens des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder) gab es Pläne, dort einen Polizeiposten zu errichten. Dabei spielte die Nähe zum künftigen Grenzübergang eine große Rolle. Diese Pläne wurden jedoch schnell wieder aufgegeben. 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland
Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Blick auf das Außengelände der " Chemiker-Kaserne" kurze Zeit nach dem Abzug der Truppen. Damals war die Welt noch in Ordnung. Hatten sich doch hier bereits Investoren  angesiedelt. Jedoch nicht lange. Nach dem Abriss des Areals im Jahr 2005, hat die Natur das Areal zurückerobert.