Häufige Fragen zum Oderbruch

Das oder der Oderbruch? Welche Formulierung ist denn nun richtig?

 

Tatsächlich wird das Oderbruch, zuweilen von einigen, meist ortsfremden, als der Oderbruch bezeichnet. Um die Frage zu beantworten, muss man sich mit der Bedeutung des Wortes Bruch auseinandersetzen. Als Bruch (Einzahl :das Bruch) bezeichnete man im altdeutschen eine sumpfige mit dichtem Gebüsch und Schilf bestandene Fläche. Und genau das war unser Oderbruch, bevor es um die Mitte des 18.Jahrhunderts buchstäblich trockengelegt und besiedelt wurde.

Die korrekte, wenn gleich nicht mehr so wirklich zutreffende Bezeichnung, lautet also das Oderbruch!!

 

Im Oderbruch wird noch heute eine eigene Sprache, das Oderbruchplatt, gesprochen

Das stimmt mittlerweile nicht mehr. Dieser besondere Dialekt, dem Mecklenburger Platt nicht unähnlich, ist mittlerweile  ausgestorben. Kostproben dieser Sprache findet man heute nur noch in älteren Dokumenten. Vor dem Zweiten Weltkrieg war das "Oderbruchplatt", vornehmlich in der Mitte und dem Norden des Bruchs, noch allgemein verbreitet

Die heutigen Oderbrücher "Berlinern" genauso, wie die übrigen Brandenburger.

 

Die Gewässer des  Oderbruchs sind  auch heute noch ein Paradies für Angler

Das entspricht der Wahrheit, wenn gleich Fischreichtum und die Artenvielfalt nicht mit der Zeit vor der Trockenlegung des Oderbruchs verglichen werden kann. Der frühere "Hauptfisch" des Oderbruchs, die Quappe, ist aus den meisten Gewässern verschwunden. Sie kommt nur noch in der Oder vor und wird dort am besten im Winter geangelt. In dieser Zeit begeben sich die Quappen zu ihren Laichplätzen.

Lachse, Störe und Barben findet man heute ebenfalls nicht mehr im Oderbruch. Allerdings kann gesagt werden, dass man vor einiger Zeit mit der Wiederansiedlung von Lachsen in der Oder begonnen hat. In wie weit dieses Projekt von Erfolg gekrönt ist, kann heute noch nicht beantwortet werden. Sowohl Umwelteinflüsse als auch die Unvernunft des Menschen gefährden diese gut gemeinte Aktion permanent.

Lachse kamen bis in die Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in unserer Region vor. Die Mündung der Warthe in die Oder, ca.  3km nördlich von Küstrin-Kietz, galt früher als einer der besten Lachsfangplätze Deutschlands.

Heute tummeln sich Barsche, Hechte, Bleie, Güstern, Plötzen, Schleie und Rotfedern in den Gewässern des Oderbruchs. Zu den besten Fischwassern zählt man, neben der eigentlichen Oder, die so genannte "Alte Oder", den "Genschmarer See" sowie mit Einschränkungen, den "Letschiner Hauptgraben".

Zur Ausübung des Angelsports benötigt man, wie überall auch, eine Angelkarte. Diese erhält man bei der Fischerei Schneider in Küstrin-Kietz. Nähere Auskünfte findet man

unter dieser Adresse: http://fischereihof-kuestrin.de/66/Angelsport/Angelkarten.html

 

 

Das Oderbruch ist eine vom Menschen ausgeräumte Landschaft. Natur, wie einst vorhanden, findet man an keiner Stelle mehr

Das ist definitiv falsch! Man muss allerdings schon intensiv nach diesen Orten suchen, oder einen "Insider" kennen. Wer einen Eindruck vom früheren Oderbruch erhalten möchte, der sollte sich zum Beispiel an den so genannten "Strom", einen einstigen Oderarm zwischen Rathstock und Manschnow begeben.

 

 

 

 

 

 

Wo genau befindet sich eigentlich das Oderbruch?

 

Pauschal kann man sagen, dass sich das Gebiet des Oderbruchs von der Stadtgrenze Frankfurt(Oder) über 70 km in nördliche Richtung, bis nach Oderberg ausdehnt. Das Oderbruch grenzt im Norden an die Uckermark, im Westen an die Barnimer Hochfläche, im Süden an die "Seelower Höhen" sowie im Osten an Polen.

Das Oderbruch liegt im Land Brandenburg und wird vom Landkreis Märkisch-Oderland mit Sitz in Seelow, verwaltet. Derzeit bewohnen ca. 67.000 Einwohner eine Fläche von ca. 1300 Quadratkilometern. In den letzten Jahren ist die Einwohnerzahl stark rückläufig, besonders junge Leute kehren der Region den Rücken. Das hat seine Ursache in der wirtschaftlichen, fast ausschließlich auf Landwirtschaft ausgerichteten Struktur der Gegend. Nach der Wiedervereinigung wurden viele der damals in großer Zahl vorhandenen "Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften" geschlossen oder verkleinert. Für viele langjährig in dieser Branche arbeitenden Menschen bedeutete es, den Weg in die Arbeitslosigkeit. Junge Menschen sehen sich immer stärker mit einer um sich greifenden Perspektivlosigkeit konfrontriert. Ein Trend welcher bisher noch nicht umgekehrt werden konnte!

Partie am Waldstrom bei Rathstock
Partie am Waldstrom bei Rathstock

Die Stille des Ortes wird nur von den Schreien der Graureiher, vom Geschnatter der Wildenten und mitunter auch vom Grunzen der Wildschweine unterbrochen. So wie auf diesem Foto, sah es früher überall im Oderbruch aus!

Zwischen Küstrin-Kietz und Reitwein findet man, direkt am Oderdeich, Reste des ehemaligen Auenwaldes. Der Boden dort ist noch immer feucht und teilweise auch mit Schilf bestanden.

Auch am Genschmarer See, bei dem es sich nicht um einen See im eigentlichen Sinne sondern ebenfalls um einen früheren Oderarm handelt, kann man noch die Ursprünglichkeit dieser Landschaft erahnen.

 

Spuren der Bibertätigkeit, am Genschmarer See
Spuren der Bibertätigkeit, am Genschmarer See

Ein grösseres Naturreservat befindet sich auf der so genannten Oderinsel bei Küstrin-Kietz. Hier finden sich neben seltenen Tierarten, wie dem Eisvogel, auch noch die ansonsten in Deutschland ausgestorbenen Schwarzpappeln. Die Oderinsel wurde praktisch vom Menschen an die Natur zurückgegeben. In den vergangenen Jahrhunderten wurde ein beträchtlicher Teil des Areals bewohnt, oder militärisch genutzt. Heute ist nur noch ein geringer Teil der Insel zugänglich und darf bewandert werden. Der Rest wird von einem Zaun geschützt. Hier kann und darf sich die Natur wieder in ihrer einstigen Ursprünglichkeit entfalten.

Stimmt es, dass das Oderbruch nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegt?

 

Ja das stimmt. Konkret liegt dieser Landstrich nur 2-5 m über dem Meeresspiegel!

Was bedeutet das konkret für die Menschen, beispielsweise bei einem Dammbruch an der Oder?

 

Ein Dammbruch, wie er zuletzt 1947 vorkam, wäre in der Tat auf Grund der besonderen Bedingungen im Oderbruch, eine Katastrophe. Das gesamte Land würde, wie eine riesige Badewanne volllaufen. Das gesamte gesellschaftliche Leben wäre für unbestimmte Zeit erheblich eingeschränkt.

Wie groß ist denn die Gefahr eines Hochwassers in der heutigen Zeit?

 

Eine latente Gefahr ist immer gegeben. Das hatte sich zuletzt 1997 gezeigt, als das Zusammentreffen verschiedener Wetterphänomene im Quellgebiet der Oder, zu einer Flutwelle beispiellosen Ausmaßes geführt hatte. Man sollte sich auch immer vor Augen  halten, dass die Deiche im Oderbruch damals nur deswegen nicht brachen, weil es in Polen und in Ziltendorf vorher zu Deichbrüchen kam. Dieses führte zu einer Entlastung der Deiche im Oderbruch, was aber nicht!!! die Leistungen der unzähligen Helfer abwerten soll.

Es gibt Experten die der Meinung sind, dass eine ähnliche Wetterlage wie 1997 im Oderbruch zur Katastrophe führen wird. Der Grund liegt in den nunmehr sanierten Deichen in Polen bzw. in der Ziltendorfer Niederung. Die Oderbruchdeiche würden von der Flutwelle einfach überspült werden, was auch das Vorhandensein von Sandsäcken nicht verhindern kann.

Panik und Horrorvisionen sind allerdings nicht angezeigt. Denn meistens kommt es anders und zweitens als man denkt! Dieses Sprichwort gilt auch für unser Oderbruch!

Die Oderdeiche wurden nach 1997 ausgebessert und erhöht und sind in der Lage "normalen" Hochwassern Paroli zu bieten.

Eine weiteres Phänomen konnte man übrigens 1947, beim letzten Hochwasser beobachten:

Das Fluten der Oder folgten, von der zwischen Küstrin-Kietz und Reitwein gelegenen Bruchstelle, dem uralten längst von Menschenhand veränderten Lauf des Stromes.

Für kurze Zeit nahm holte sich die Natur zurück, was man ihr einst genommen hatte.

Einige der älteren Bauernhöfe wurden übrigens kein Opfer der Fluten. Ihre Erbauer hatten sie einst auf kleinen Anhöhen errichtet, da in jenen Zeiten Überschwemmungen noch nichts ungewöhnliches waren,

 

Naturreservat "Oderinsel" bei Küstrin-Kietz
Naturreservat "Oderinsel" bei Küstrin-Kietz

Welche Tierarten findet man im Oderbruch, außer den Fischen? Stimmt es das es wieder Wölfe in der Region geben soll?

 

Im Zuge der Trockenlegung des Oderbruches sind nicht nur die Wälder sondern auch viele Tierarten aus der Gegend verschwunden. Einige wurden ausgerottet, andere mussten sich an anderer Stelle neuen Lebensraum suchen. Das ist an sich kein ungewöhnlicher Vorgang in der Geschichte und Entwicklung unserer Heimat. Hält man sich aber einige Zahlen von einst vor Augen, wird der Frevel an der Natur auf erschreckende Weise erkennbar. So gehörte die Gegend um Golzow, Genschmar und Friedrichsaue einst zum " Königlichen Hirschjagdrevier" in denen nicht weniger als 500-600 Hirsche im Jahr erlegt wurden!! Trotzdem soll das Gebiet unter einer regelrechten Hirschplagte gelitten haben.

Heute ist diese Tierart gänzlich aus dem Oderbruch verschwunden, weil dessen Lebensraum unwiederbringlich vernichtet wurde.

Nerze und Fischotter waren ebenfalls sehr zahlreich, wurden aber auch nahezu ausgerottet. Das selbe trifft im Prinzip auch auf den Biber zu. Man sah diese Tierart als permanente Gefahr für die neu errichteten Oderdeíche an und verfolgte sie unbarmherzig. Im Jahre 1807 wurde einer der letzten Oderbruchbiber bei Sietzing in einem Fischernetz gefangen. Anfang der achtziger Jahre des 20.Jahrhunderts begann man mit der Wiederansiedlung des Bibers. Bei den hier ausgesetzten Tieren handelt es sich um "Elbbiber", welche sich schnell über die Region ausbreiteten. Auch der Kormoran, ein gefrässiger Fischräuber, war Mitte des 19. Jahrhunderts so gut wie ausgerottet.

Heute gibt es wieder Kolonien bei Altfriedland und an der Oder. Die Fischer in Altfriedland sehen sich  durch die gefrässigen schwarzen Vögel sogar permanent in ihrer Existenz bedroht. Ein nicht geringer Teil der von ihnen gezüchteten Karpfen oder Forellen landet in den Mägen der Kormorane!

Zu den häufigsten im Oderbruch vorkommenden Tierarten gehören:

Rehe, Wildkaninchen, Wildschweine,Füchse, Waschbären,Marder, Iltisse, Marderhunde. Feldhasen hat es früher in Massen gegeben. Deren Zahl nimmt seit Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr ab, so dass der Anblick eines echten Hasen, heute eine Seltenheit darstellt. Die erwähnten Waschbären sind eigentlich weder für das Oderbruch noch für das restliche Deutschland typisch. Anfang der dreissiger Jahre des 20.Jahrhunderts sind einige dieser "Viecher" aus einer Pelztierfarm bei Altlandsberg, kurz vor den Toren Berlins, entkommen. Seit dieser Zeit ist es ihnen gelungen, sich über ganz Brandenburg zu verbreiten. Das gleiche gilt für den aus Asien stammenden Marderhund. Einem üblen Gesellen, mit dessem Gebiss man besser keine Bekanntschaft schließen sollte. Neuerdings gestalten sich die Marderhunde als echte Konkurenten für die einheimischen Fuchspopualtionen. Während dessen sich die Waschbären bei der Vertilgung von Nestern bodenbrütender Vögel " verdient" gemacht haben.

Mitten durch das Oderbruch zieht sich ein uralter Wolfspfad. Hin und wieder wurden einzelne Wölfe , aus Ostpolen oder Russland kommend, im Oderbruch gesichtet. Da diese Tiere aber sehr scheu sind und grosse dichte Wälder bevorzugen, ist von einer Wiederansiedlung des Wolfes im Oderbruch nicht auszugehen. In den Wäldern der "Märkischen Schweiz", unweit der Grenzen des Oderbruchs, hat sich allerdings, laut Berichten von Jägern, ein Wolfsrudel etabliert. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde bei Alt-Glietzen ein Seehund gesichtet. Wie dieses, auf den Inseln der Nordsee beheimatete Tier in die Oder kam, ist allerdings mehr als rätselhaft.

Hin und wieder überqueren Elche, aus Polen kommend, die Oder. Es handelt sich allerdings um einen echten Glücksfall, wenn man solch ein Tier zu Gesicht bekommen will.

In den Wäldern um Briesen, ebenfallls nicht weit vom Oderbruch entfernt, wurden im vergangenen Jahr allerdings mehrfach Elche gesichtet. Im Radio wurden  die Pilzsammler zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen ermahnt. Zu einem direkten Zusammenstoß zwischen einem Menschen und dem Großhirschen ist es allerdings bisher auch dort noch nicht gekommen.

Fischadler kommen im Oderbruch, bevorzugt an der Oder, vereinzelt vor. Strenger Schutz hat ihr vollständiges Aussterben bisher verhindern können.

Im Frühling kann man hin und wieder die ebenfalls vom Aussterben bedrohten Großtrappen, sowie Kraniche auf den Feldern des Oderbruches bewundern.

Die Zahl der Habichte und Rohrweihen ist dagegen seit Jahren stabil, auch diese Tiere waren vor einigen Jahren fast ausgestorben.

 

 

 

 

 

Das Oderbruch grenzt an Polen. An welchen Stellen kann oder darf ich die Grenze zum Nachbarland überschreiten? Welche Dokumente benötige ich beim Grenzübertritt und werde ich überhaupt noch kontrolliert?

 

Seit dem Beitritt Polens zum "Schengener Abkommen" am 21.12. 2007, darf die Staatsgrenze grundsätzlich an allen Stellen überschritten werden.  Im allgemeinen ist man allerdings im Oderbruch etwas gehandicapt, da die deutsch-polnische Grenze in der Mitte der Oder verläuft. Aus diesem Grunde ist man auf das Vorhandensein von Brücken oder Fähren angewiesen. Brücken über die Oder sind im Bereich des Oderbruchs nur an zwei, über fünfzig Kilometer voneinander entfernten Stellen, vorhanden. Dabei handelt es sich um die ehemaligen Grenzübergänge Hohenwutzen im Norden des Oderbruchs, mit Anbindung an die Bundesstraße 158 (frühere Saldern-Brücke) und um Küstrin-Kietz, im südlichen Oderbruch. An der letztgenannten Brücke endet die von Aachen kommende, sich quer durch Deutschland ziehende Bundesstraße 1.

Bei Güstebieser Loose kann  die Oder mittels einer PKW-Fähre überquert werden. In diesem Falle muss aber dringend geraten werden, sich vorher über die Verfügbarkeit der Fähre zu informieren!! Der Fährbetrieb ist u.a. vom aktuellen Pegelstand der Oder abhängig und kann daher nicht immer gewährleistet werden. Nähere Infos erhalten Sie hier: http://www.barnim-oderbruch.de/index.php?id=157&type=1

Bei einer Reise nach Polen muss auf jeden Fall ein gültiger Personalausweis mitgeführt werden. Beim Grenzübertitt erfolgen keine Kontrollen mehr, allerdings sind sowohl die polnischen als auch die deutschen Grenzorgane weiterhin im Grenzgebiet präsent. Das bedeutet, dass man durchaus angehalten und kontrolliert werden kann.  

Ich besuche in meiner Freizeit gerne Museen, besonders solche, welche sich mit der unmittelbaren Geschichte der Region beschäftigen. Welche Möglichkeiten bestehen für diese Aktivitäten im Oderbruch?

 

Natürlich gibt es auch im Oderbruch und dessen näherer Umngebung verschiedene Museen, in denen man sich gezielt und konkret über die Geschichte der Region informieren kann.

 

Empfohlen werden können  u.a. :

-Das Oderlandmuseum Bad Freienwalde

Link: http://www.kultur-in-mol.de/oderlandmuseum/

 

-Museum "Viadrina" Frankfurt (Oder)

LinK: http://www.museum-viadrina.de/Museum/20_MuseumViadrina.htm

 

-Haus "Lebuser Land" Lebus

Link: http://www.heimatverein-lebus.de/zeiten.php

 

- Museum der brandenburgisch-preußischen Geschichte und Zinnfigurenmuseum Gusow

Link: http://www.schloss-gusow.de/

 

-Heimatstube Letschin

Link: http://www.letschin.de/heimatstube/

 

-Dorfmuseum Friedrichsaue

kein Internetauftritt vorhanden (leider)

Der Besuch dieses Museums sei besonders den Liebhabern von alter Landwirtschaftstechnik empfohlen!

Nähere Auskünfte erhält man unter der Telefonnummer: 033473/3251

 

 Militärhistorisch interessierte sollten auf keinen Fall einen Besuch der

Gedenkstätte auf den Seelower Höhen, in Seelow versäumen!!

Link: http://www.gedenkstaette-seelower-hoehen.de/

 

Alles über ein früher im Oderbruch weit verbreitetes Handwerk finden Sie im

Korbmachermuseum Buschdorf, betrieben von Thea Müller

nähere Auskünfte über die Telefonnummer: 033473 - 248

 

 

 

Gibt es Literatur über das Oderbruch, oder ist diese Region in dieser Hinsicht nur ein "weißer Fleck"?

 

Im Gegenteil, das Oderbruch ist sogar ein Schauplatz der Weltliteratur. Der Dichter und Schriftsteller Theodor Fontane hatte Mitte des 19.Jahrhunderts einige Jahre in Letschin gelebt. Seine Eltern betrieben in dem großen Oderbruchdorf eine Apotheke. Fontane schrieb in Letschin seine berühmte Kriminalnovelle "Unterm Birnbaum". Die Handlung spielt in dem allerdings fiktiven Oderbruchdorf Tschechin, wobei wesentliche Züge des damaligen Letschins wiedererkennbar sind. Auch die handelnden Personen hatten ihr Vorbild in realen Letschinern, so dass diese Novelle ein lupenreines Abbild des Oderbruchs im 19.Jahrhundert darstellt.

Ebenfalls Fontane war es, der den Romanmehrteiler "Vor dem Sturm" verfasste und im Oderbruch, während der Zeit der Befreiungskriege, ansiedelte. Der Hauptort Hohen-Vietz, ebenfalls ein fiktiver Ort, ist sowohl Friedersdorf als auch Reitwein nachempfunden. Einer der Handlungsorte wird als " der Forstacker" bezeichnet. Der so genannte Forstacker ist noch heute ein Teil von Letschin. Im Schloss Guse lässt sich unschwer das Schloss Gusow wiedererkennen. Auch einige der handelnden Personen, darunter der Bürgermeister Kniehase und "Hoppen-Marieken" haben unter diesen Namen im Oderbruch der damaligen Zeit existiert.

Fontane war es auch, der dem Oderbruch in seinen "Wanderungen durch die Mark" ein eigenes Kapitel widmete.

 

"Schreiber und der Wolf" ist der Titel eines vom deutschen Krimiautor Werner Schmitz im Jahre 2004 verfassten Krimis.

Ein polnischer Wolf wird im Oderbruch erschossen, in der weiteren Folge fallen auch "Zweibeiner", samt und sonders Zugereiste, dem geheimnisvollen Killer zum Opfer.

Der Roman sollte wohl eine Situationsbeschreibung des deutschen Ostens nach der Wiedervereinigung sein. Was dabei herauskam ist allerdings ein mangelhaft recherchierter Roman, voller Klischees und Ungereimtheiten.

Auch die Kunst mehrere Handlungsorte zu einem einzigen, fiktiven, zu verweben, konnte der selige Fontane viel besser.

Das Buch ist zwar unterhaltsam, aber als Gesellschaftsstudie kaum zu empfehlen!

 

Wenn wir schon mal bei der Kultur sind, gibt es einen echten Geheimtipp für das Oderbruch?

 

Ja natürlich!! Das "Theater am Rande" in Zollbrücke, ist ein echter Geheimtipp, den sich nicht nur Kulurfreaks entgegen lassen sollten.

Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.theateramrand.de/theater.htm

 

Übrigens falls ihnen einer der Akteure bekannt vorkommen sollte, dann ist das durchaus kein Irrtum! Es handelt sich um Thomas Rühmann, bekannt als sympathischer Arzt aus der Serie " In aller Freundschaft".

Gibt es Orte mit geschichtlicher Bedeutung im Oderbruch?

 

Ja solche Orte gibt es selbstverständlich auch. Es kommt ganz darauf an, wofür man sich konkret interessiert.

Freunde der preußischen Geschichte sollten sich einen Besuch in Reitwein nicht entgehen lassen. Im dortigen Schloss verbrachte Friedrich der Große, seines Zeichens König von Preußen, die ersten Tage nach der verhängnisvollen Schlacht von Kunersdorf, am 12.08. 1757. In den Mauern des Reitweiner Schlosses dachte der verzweifelte König nicht nur über die Zukunft seines Staates, sondern auch über Selbstmord nach. Vieleicht hätte sich der Verlauf der deutschen Geschichte anders gestaltet, wenn der König sich in Reitwein tatsächlich das Leben genommen hätte?

Das Schloss selbst ist heute leider nicht mehr vorhanden. Sein Standort wurde aber markiert und mit Schautafeln versehen.

 

An der Fährbuhne in Reitwein, ca. 1km vom Dorf entfernt, befindet sich die Stelle an welcher die preußischen Truppen am 11.08. 1757 auf dem Wege nach Kunersdorf die Oder überquerten.

An selbiger Stelle errichteten im Februar 1945 sowjetische Truppen unter dem Kommando von Marschall Tschuikow einen Brückenkopf. Die Pfeiler der Brücke kann man noch heute erkennen.

 

In den Reitweiner Bergen weisen Hinweisschilder auf den Punkt, von dem aus der sowjetische Marschall Schukow am 16-17.04. 1945 die Schlacht um die Seelower Höhen leitete.

 

Im Schloss Neuhardenberg traf sich im Jahre 1944 ein um das andere Mal der als Hitlerattentäter in die Geschichte eingegangene Oberst Graf Schenk von Stauffenberg, mit dme Schlossbesitzer und Mitverschwörer, Graf Carl Hans von Hardenberg.

Geschichtspflege wird im Oderbruch groß geschrieben!
Geschichtspflege wird im Oderbruch groß geschrieben!