Schauplätze der Geschichte, rund um Küstriner Vorland

Der Reitweiner Burgwall-auf den Spuren der Leubuzzi

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Blick auf die Umwallung
Blick auf die Umwallung

Nur wenigen Menschen ist heute bewusst, dass auch unsere Heimat einst von anderen Völkern besiedelt wurde. Völker, die lange vor den deutschen Siedlern, in diesem Landstrich ihre Spuren hinterlassen haben.

Zum Beispiel  der slawische Volksstamm der Leubuzzi, auch Lebuser genannt.  Eine seiner Hauptburgen befand sich bis in das 10. Jahrhundert hinein, in den Reitweiner Bergen. 

Noch heute kann man die einst per Hand angelegten Burgwälle deutlich erkennen. 

Die Burg selbst unterteilt sich in den westlichen Außen und in den östlich gelegenen Innenbereich. Beide Bereiche sind durch Wälle von einander getrennt. 

Während der Außenbereich dem einfachen Volk vorbehalten blieb, lebten die höher gestellten Persönlichkeiten des Stammes im besser geschützten Innenbereich.

In den Dreißiger Jahren des 20. Jahren, führte der bekannte deutsche Archäologe Professor Unverzagt, umfangreiche Grabungen im Reitweiner Burgwall durch.  Neben verschiedenen diversen , das Alltagsleben der Slawen dokumentierenden Fundstücken, wurde dabei auch ein  menschlicher Schädel gefunden. Der Schädel wies noch Spuren einer Enthauptung auf. Ein Indiz, dass im Reitweiner Burgwall einst auch Menschen geopfert wurden. 

Bei den Grabungen konnten darüber hinaus deutliche Spuren eines großen Brandes nachgewiesen werden.  Diese Indizien sprechen für eine gewaltsame Erstürmung der Burganlage. Die Historiker gehen davon aus, dass die Zerstörung der Burganlage mit der Westexpansion des jungen polnischen Staates unter seinem König Miezko I. , im frühen 10. Jahrhundert, zusammenhängt. 

Polen dehnte in dieser Zeit bis ins frühe 13.Jahrhundert hinein,  seinen Herrschaftsraum bis in die Gegend des heutigen Fürstenwalde aus.

Blick in den Innenbereich des Reitweiner Burgwalls in Richtung Osten
Blick in den Innenbereich des Reitweiner Burgwalls in Richtung Osten

Blick vom Außenbereich in die Hauptburg
Blick vom Außenbereich in die Hauptburg
Blick in den Innenhof des Burgwalls in Richtung Westen
Blick in den Innenhof des Burgwalls in Richtung Westen

Vor allem im Außenbereich, kommen in dem immer wieder von Wildschweinrotten aufgewühlten Boden, immer wieder Tonscherben zum Vorschein. Diese sind mit den für die slawische Handwerkskultur des 10.Jahrhunderts typischen Wellenmustern verziert. 

Tonscherben aus dem Reitweiner Burgwall
Tonscherben aus dem Reitweiner Burgwall

Wichtiger Hinweis!

Der Reitweiner Burgwall ist als Bodendenkmal ausgewiesen! Vor etwaigen unbefugten Grabungen oder der Mitnahme von Fundstücken, wird ausdrücklich gewarnt! Die auf dem Foto sichtbaren Scherben wurden dem zuständigen Mitarbeiter des Bodendenkmalsamt unmittelbar nach dem Fund, im Frühjahr 2009, übergeben.


Lebus-eine alte Bischofsstadt an der Oder

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Standort der früheren Burg von Lebus
Standort der früheren Burg von Lebus

Das  östlich der Oder, im heutigen Polen verschiedene Orte einst zu Deutschland gehörten, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, dass westlich der Oder einige Orte ihrerseits über längere Zeit polnisch waren. 

Zum Beispiel die kleine Stadt Lebus, zehn Kilometer vor den Toren von Frankfurt (Oder) gelegen.

Nachdem das polnische Königreich im 10. Jahrhundert die einheimischen  slawischen Stämme geschlagen und den eigenen Machtbereich bis über die Oder ausgedehnt hatte, entwickelte sich Lebus zu einem der wichtigsten strategischen Stützpunkte an der Westgrenze Polens. 

Zur Sicherung der Umgebung und des wichtigen Oder-Übergangs. diente eine auf den Bergen über der Stadt errichtete Burg. 

Im 13.Jahrhundert drängten die deutschen Eroberer von Westen her ins Oderland.  Die Burg und die Stadt Lebus fielen nach harten Kämpfen und Belagerungen schließlich in die Hände der Deutschen. 

 

Lebus war auch über Jahrhunderte Sitz der Lebuser Bischöfe. Von diesen längst vergangenen Zeiten, kündet noch heute die ehemalige Bischofskirche.
Lebus war auch über Jahrhunderte Sitz der Lebuser Bischöfe. Von diesen längst vergangenen Zeiten, kündet noch heute die ehemalige Bischofskirche.

Lebus war nach der Integration in den deutschen Herrschaftsbereich keine allzu lange Zeit des Glanzes beschieden. Der Bischof residierte ohnehin bereits lieber in Fürstenwalde. 

Nach der Gründung des benachbarten Frankfurt (Oder), verlor Lebus endgültig seine frühere Bedeutung. Heute gehört Lebus zu den kleinsten Städten Deutschlands. Seinen besonderen Reiz hat das Städtchen jedoch bis heute nicht eingebüßt.

Blick auf die Häuser von Lebus und die Oder, vom Schlossberg aus
Blick auf die Häuser von Lebus und die Oder, vom Schlossberg aus
Durch Lebus weht noch immer ein Hauch von Vergangenheit
Durch Lebus weht noch immer ein Hauch von Vergangenheit
Blick auf die Bischofskirche vom Oderufer aus
Blick auf die Bischofskirche vom Oderufer aus

Letschin-auf den Spuren Theodor Fontanes

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Letschin ist eng mit zwei prominenten Personen verbunden: Dem Preußenkönig Friedrich II. und dem märkischen Schriftstellerkönig Theodor Fontane. 

Während eine zumindest kurzzeitige Anwesenheit des Monarchen bislang durch keine Quelle belegt werden konnte, gehörte die um die Mitte des 19.Jahrhunderts aus Neuruppin ins Oderland gekommene Apotheker-Familie Fontane lange Zeit zu den Einwohnern von Letschin. 

Theodor Fontane, der zu Letschin ein eher ambivalentes Verhältnis pflegte, absolvierte in der seinem Vater gehörenden Apotheke zu Letschin seine Lehrausbildung. 

Blick auf die Fontane-Apotheke
Blick auf die Fontane-Apotheke

Zur Erinnerung an die Anwesenheit Theodor Fontanes, trägt die örtliche Apotheke seinen Namen. Anders als vielfach angenommen, handelt es sich bei dem Gebäude jedoch nicht um die originale Apotheke der Familie Fontane. Diese befand sich ca. 100 m von der heutigen Apotheke entfernt und fiel im 19. Jahrhundert einem Brand zum Opfer.

In der seit dem Jahr 2014 geschlossenen, traditionsreichen Gaststätte " Zum Alten Fritz" soll Theodor Fontane seine Kriminalnovelle " Unterm Birnbaum" geschrieben haben.  Zumindest weist ein an der Außenwand angebrachtes Schild auf diesen Umstand hin.

Die Aussage ist jedoch nicht korrekt. Geschrieben hatte Fontane die Geschichte um den Mord an einem polnischen Handlungsreisenden, begangen durch ein von Schulden geplagtes Gastwirtspaar, weitab von Letschin. 

Freunde der lokalen Geschichte müssen deshalb nicht traurig sein, Ganz im Gegenteil! Denn Letschin ist in der Novelle, wenn auch in Nuancen abgeändert, als Ort der Handlung wiederzuerkennen. 

Auch bei der Auswahl der Protagonisten haben etliche Letschiner Pate gestanden. Bei manchen wurden die Familiennamen nur geringfügig verändert. 

Blick ins Preußen-Zimmer in der Gaststätte " Zum Alten Fritz", im August 2008
Blick ins Preußen-Zimmer in der Gaststätte " Zum Alten Fritz", im August 2008

Inspiration für die Novelle lieferte übrigens der Fund eines  menschlichen Skelets im Garten der schon damals unter dem Namen " Hotel zur Post" vorhandenen Gaststätte, um 1840. 

Die Identität des Toten konnte nie geklärt werden. Selbstverständlich lieferte der grausige Fund die Grundlage für verschiedene Gerüchte.  Manche meinten, dass es sich bei den Knochen um die sterblichen Überreste eines Offiziers der französischen Besatzungstruppen gehandelt hat.  Der besagte Offizier soll die Einwohner von Letschin besonders arg schikaniert haben. Solange, bis jemand zur Selbsthilfe schritt, den Offizier ermordete und verscharrte.  Beweise für diese These liegen nicht vor. Allerdings soll der französische Offizier um 1810 tatsächlich plötzlich verschwunden sein.

Die zweite These belastete den Gastwirt Heinrich Fittinger stark.  Wenige Jahre vor dem Fund des Skelets, wurde ein wohlhabender Reisender, der bei Fittinger eingekehrt war, von seiner Familie als Vermisst gemeldet. Auch sein Schicksal blieb letztendlich ungeklärt.  

Fittinger trieben die Gerüchte in den Ruin.  Er verließ Letschin und zog nach Lebus, Dort wurde er einige Jahre später " tot und von Läusen zerfressend, über einen Zaun hängend, gefunden". 

 

Ein Bild aus besseren Tagen. Wolfgang Bartsch, der letzte Gastwirt des " Alten Fritzen", bei der Bewirtung von Gästen, im August 2008
Ein Bild aus besseren Tagen. Wolfgang Bartsch, der letzte Gastwirt des " Alten Fritzen", bei der Bewirtung von Gästen, im August 2008

Das Friedrich der Große, während seiner erzwungenen "Lehrzeit" in Küstrin und Umgebung, im Jahr 1731, auch durch Letschin gekommen ist,  halte ich für durchaus wahrscheinlich.  Wenn auch nicht durch nachprüfbare Quellen belegt. Die Behauptung, dass der König auf seinem Weg in die Schlacht von Zorndorf, im August 1758, auf " Kosseschen Windmühlenberg" im Haus des Försters übernachtet hat, wird durch keinerlei echte Quellen gestützt.  Diese These ist schon allein deshalb zweifelhaft, da der König nachweislich die Nacht vom 21. auf den 22. August in Gorgast verbracht hat. 

Egal ob der König nun durch Letschin gekommen oder gar hier übernachtet hat - Letschin verdankt dem Wirken des rastlosen Monarchen seinen Aufstieg zu einem der größten und wohlhabendsten Orte im gesamten Oderbruch.  Letschin profitierte enorm von der Trockenlegung des Oderbruchs und der Ansiedlung von Kolonisten aus verschiedenen Ländern Europas.  Diese Maßnahmen sind noch heute eng mit der Person Friedrich des Großen verbunden.  

Kein Wunder, dass die dankbaren Letschiner "ihrem" König im Jahr 1905 ein Denkmal erbauten. 

Dieses Denkmal, dass den Monarchen einmal nicht als Heerführer zeigt, überstand zunächst die Kämpfe  im Zweiten Weltkrieg und auch die ersten Nachkriegswirren. 

Später wollte die neue Staatsmacht das Denkmal jedoch verschrotten und einschmelzen lassen. Dieser Frevel konnte jedoch von mutigen Einwohnern verhindert werden.  Schließlich lies sich die Staatsmacht auf einen "Kompromiss" ein: Der " Alte Fritz" blieb in seinem Versteck in einer Letschiner Scheune unangetastet.  Zurück auf seinen Sockel durfte er jedoch auch nicht mehr. 

Zur 650. Jahrfeier, im Sommer 1986, holten ihn ein paar ebenso tatkräftige wie mutige Männer, unter ihnen Gastwirt Bartsch, aus seiner "Verbannung" auf den Marktplatz. Wo am kommenden Morgen der historische Umzug mit Bildern aus Geschichte Letschins beginnen sollte. Der König hätte, so der Plan der  Verschwörer, " die Parade abgenommen,"

Das nächtliche Treiben war jedoch nicht unentdeckt geblieben. Die Polizei bekam die Order, den metallenen König zu entfernen.  Dabei erlitt das Kunstwerk etliche Schäden. 

Es mag verwunderlich klingen, aber die Posse nahm am Ende ein gutes Ende.  Keiner der Beteiligten musste die eingangs geforderte Geldstrafe wegen " Groben Unfugs" zahlen. Der " Rat des Kreises Seelow" bezahlte die Reparatur der beschädigten Figur.  Im Mai 1990, anlässlich des 250.Jahrestags der Thronbesteigung Friedrichs, sollte das restaurierte Denkmal im Fontane-Park feierlich wieder aufgestellt werden. An seinem alten Platz konnte der König nicht zurückkehren. Dort befand sich mittlerweile ein sowjetisches Ehrenmal.