Die polnische Grenzregion

Landschaft bei Santok
Landschaft bei Santok

Die polnische Grenzregion, in diesem konkreten Fall die Landschaft zwischen Swiebodzin-Santok-Kostrzyn und Slubice, gehörte bis 1945 zur sogenannten Neumark. Einer lange Zeit zwischen Polen und Deutschen umstrittenen, seit dem frühen Mittelalter jedoch unter deutscher Vorherrschaft stehenden Landschaft. 

Lubniewice, das frühere Königswalde
Lubniewice, das frühere Königswalde

Die Spuren der deutschen Vergangenheit findet man fast noch überall. Immer mehr werden sich die heute hier lebenden Polen dieser Vergangenheit auch bewusst. Vorbei die Zeiten, als Grabsteine auf den Friedhöfen zerstört und jede deutsche Inschrift getilgt wurde, Nur um jede Erinnerung an die vorherigen Bewohner auszulöschen. 

Andererseits hatten gerade die Polen nach dem Zweiten Weltkrieg wohl viele gute Gründe die Deutschen wegen ihrer Verbrechen zu hassen. Erschwerend kam noch hinzu, dass sich viele der  neuen Ansiedler nicht mit der ihnen aufgezwungenen Heimat identifizieren konnten. So groß war das Heimweh nach ihrer verlorenen Heimat weit im Osten. Dazu kam über Jahre hinweg die Angst, dass die Deutschen eines Tages zurückkommen könnten. Womit die nun hier lebenden Polen erneut zu Heimatvertriebenen geworden wären. 

Diese Zeiten sind heute längst verloren. Polen und Deutsche näheren sich immer mehr an. Auch wenn manche Klischees noch immer in den Köpfen herumspuken.

 

Das Denkmal für den polnischen König Mieszko I. den Mieszkowice ( Bärwalde)
Das Denkmal für den polnischen König Mieszko I. den Mieszkowice ( Bärwalde)

Zu den  offenbar unausrottbaren Klischees gehört offenbar auch die Furcht manch Deutschen, in Polen auf Schritt und Tritt Opfer einer Straftat zu werden. 

Wahr ist, dass man, wie überall in der Welt, auf sein Eigentum achten sollte. Ansonsten trifft der Reisende in den Dörfern und Städten der polnischen Nachbarregion auf eine überaus freundliche, hilfsbereite und vor allem gastfreundliche Bevölkerung.

Am Moryner See
Am Moryner See

Ähnlich wie das benachbarte Oderbruch, steht auch diese Region in einem engen Zusammenhang mit der preußischen Geschichte.  

250. Jahrfeier der Schlacht bei Zorndorf, am 23.08. 2008
250. Jahrfeier der Schlacht bei Zorndorf, am 23.08. 2008

n Zorndorf, dem heutigen Sarbinowo, schlug Friedrich der Große am 25. August 1758 die in Brandenburg eingefallenen Truppen der russischen Zarin.

 

Nachstellung der Schlacht bei Zorndorf am Zaberngrund
Nachstellung der Schlacht bei Zorndorf am Zaberngrund

Ein Jahr später, am 12. August 1759, erlitt der König bei Kunersdorf, heute Kunowice, unweit von Frankfurt (Oder), eine vernichtende Niederlage. 

 

 

 

Gedenkstein für den bei der Schlacht von Kunersdorf gefallenen Dichter und Offizier Ewald Christian von Kleist, auf dem Schlachtfeld von Kunersdorf
Gedenkstein für den bei der Schlacht von Kunersdorf gefallenen Dichter und Offizier Ewald Christian von Kleist, auf dem Schlachtfeld von Kunersdorf

In der Altstadt von Küstrin, die heute zu Kostrzyn gehört, musste der König im November 1730 die Hinrichtung seines Freundes Hans Hermann von Katte miterleben. Weil dieser ihm bei der vereitelten Flucht nach England behilflich war. 

Vermutliche Stelle der Enthauptung Hans Hermann von Kattes in der früheren Altstadt von Küstrin
Vermutliche Stelle der Enthauptung Hans Hermann von Kattes in der früheren Altstadt von Küstrin

Auf Befehl seines Vaters erfuhr der damalige Kronprinz Friedrich anschließend eine umfangreiche Ausbildung in Küstrin und Umgebung. Eine für den späteren König prägende Zeit. Entspannung und Erholung fand der Kronprinz im nahen Schloss Tamsel, heute Palac Dabroszyn. Theodor Fontane verdanken wir die Kenntnis von dem besonderen Verhältnis das sich zwischen dem jungen Friedrich und der damals ebenfalls noch jungen, jedoch verheirateten Schlossherrin von Tamsel, Luise Eleonore von Wreech. Ob man wirklich von einem Liebesverhältnis sprechen kann, darüber streiten sich die Historiker noch heute. Aber sympathisch waren sich die beiden jungen Leute ganz sicher.  Friedrich schätzte besonders die geistvollen Gespräche mit Frau von Wreech. Diese fanden bei Spaziergängen im Park des Schlosses statt. Hier soll die Schlossherrin den späteren König, allerdings wohl nur zum Scherz, " den großen Friedrich" genannt haben. 

Im August 1758, unmittelbar nach der Schlacht bei Zorndorf, schlug der König in dem von den Russen zuvor ausgeplünderten und beschädigten Schloss sein Hauptquartier auf.  Frau von Wreech traf er jedoch nicht an. Sie hatte sich zuvor vor den anrückenden Kosaken in Sicherheit gebracht und kehrte erst einige Zeit später zurück.

Schloss Tamsel heute
Schloss Tamsel heute

Die polnische Grenzregion bietet nicht nur viel Geschichte, sondern mindestens ebenso viel pure Natur.

Storchennest im Warthebruch bei Slonsk ( Sonnenburg)
Storchennest im Warthebruch bei Slonsk ( Sonnenburg)
Im Warthebruch bei Sonnenburg
Im Warthebruch bei Sonnenburg
In den Bergen bei Owczary ( Ötscher). Im Hintergrund die Berge von Reitwein, auf der anderen Seite der Grenze.
In den Bergen bei Owczary ( Ötscher). Im Hintergrund die Berge von Reitwein, auf der anderen Seite der Grenze.
In den überschwemmten Wiesen der Warta unweit von Slonsk
In den überschwemmten Wiesen der Warta unweit von Slonsk
Am Lagower See
Am Lagower See
Die größte Christusfigur der Welt steht nicht in Rio de Janeiro, sondern in Swiebodzin, unweit der deutschen Grenze
Die größte Christusfigur der Welt steht nicht in Rio de Janeiro, sondern in Swiebodzin, unweit der deutschen Grenze