DDR-Freilichtmuseum Küstrin-Kietz

Küstrin-Kietz gehörte bis 1945 zu der im Zweiten Weltkrieg untergegangenen Stadt Küstrin.  Infolge der durch die Sieger des Zweiten Weltkriegs verfügten "Westverschiebung" Polens bis an die Oder und Neiße, fiel auch der weitaus größte Teil des früheren Stadtgebietes von Küstrin unter polnische Hoheit. Auf den Trümmern der ehemaligen " Neustadt" entstand die polnische Stadt Kostrzyn, während die völlig zerstörte Altstadt nicht mehr aufgebaut wurde.

Das ebenfalls fast völlig zerstörte Küstrin-Kietz verlor nach 1945 fast 75 % der früheren, ca. 5000 Personen zählenden Einwohnerschaft.

Erst nach und nach kehrten einige Einwohner wieder in ihre Heimat zurück. Durch den Zuzug von Umsiedlern aus den nun zu Polen gehörenden ehemaligen Ost-Gebieten, stieg die Einwohnerzahl bis zum Anfang der Fünfziger Jahre auf ca. 1000 Personen an. Für einen weiteren Zuzug sorgten die überall in der damaligen DDR für den Betrieb des neu erbauten Grenzbahnhofs angeworbenen Arbeitskräfte, sowie Grenzpolizisten und Zöllner.  Mit 1400 Einwohnern blieb die Anzahl zwar weit unter dem Niveau der Vorkriegszeit, sie verharrte jedoch relativ konstant bis zum Ende der DDR.

Bis 1961 verließen einige Einwohner ihren Ort wieder, vorwiegend  in Richtung Bundesrepublik und Westberlin, dafür zogen immer wieder ganze Familien der Arbeit wegen nach Küstrin-Kietz.

Nach 1945 "tauschte" der Ort seinen Status als Stadtteil gegen den einer selbstständigen Gemeinde ein. Mit dem Verlust der Anbindung an das übrige Stadtgebiet verlor Küstrin-Kietz gleichzeitig das sich einzig und allein auf diese Anbindung beziehende Stadtrecht.

Wie die übrige Stadt Küstrin gehörte auch Küstrin-Kietz

 


Sie haben noch etwas von einem " DDR-Freilichtmuseum Küstrin-Kietz " gehört? Kein Wunder - denn offiziell gibt es dieses Museum 

ja auch nicht. Was jedoch nichts an der Tatsache ändert, dass das 

heutige Küstrin-Kietz, dass von 1954 bis 1991 aus ideologischen Gründen nur Kietz hieß, stärker als andere Orte in der Region von der Politik und den in der DDR herrschenden Verhältnissen geprägt wurde. 

Kietz (Kreis Seelow) sollte zu einem sozialistischen Musterdorf ausgebaut werden.  Dieses Vorhaben gelang den damaligen Machthabern zu keiner Zeit. Licht und Schatten lagen aber auch 

in der DDR-Zeit eng beieinander. Der viel zitierte Ausspruch " Es war ja nicht alles schlecht", hat durchaus seine Berechtigung. 

Die DDR ist längst Geschichte. Aber im Ortsbild von Küstrin-Kietz sind ihre Spuren noch heute deutlich erkennbar. 

 

 

Besondere Objekte im Ortsbild des heutigen Küstrin-Kietz

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Kein Ort im Altkreis Seelow stand derart im Fokus verschiedener Geheimdienste wie das frühere Kietz.  Schon früh interessierten sich CIA und die " Organisation Gehlen" aus der später der Bundesnachrichtendienst hervor ging, vor  für den hiesigen Grenzbahnhof und die beiden am östlichen Rand des Dorfes stationierten sowjetischen Regimenter. 

Naturgemäß versuchten das Ministerium für Staatssicherheit und der sowjetische KGB die Aktivitäten der westlichen Geheimdienste einzudämmen. 

 

Bildquelle : BSTU / Außenstelle Frankfurt (Oder)

Vor allem in den Fünfziger Jahren stellten sich  vor allem Eisenbahner den westlichen Geheimdiensten zu Spionagezwecken zur Verfügung. Dabei gingen die Männer ein sehr hohes Risiko ein. Viele von ihnen büßten ihren mutigen Einsatz mit hohen Zuchthausstrafen. 

Das MfS reagierte auf die Aktivitäten mit einer regelrechten "Spionagehysterie".  Im Jahre 1967 wurden in einer umfassenden Aktion mehrerer Diensteinheiten die gesamten Einwohner von Kietz und die Belegschaft des Grenzbahnhofs überprüft und in verschiedene "Risikogruppen" eingeteilt. Diese " unsicheren Kantonisten" wurden später mittels Postkontrolle und Einsatz von "Inoffiziellen Mitarbeitern", eingehend beobachtet. 

Spätestens nach dieser Aktion geschah in Kietz nichts mehr aus Zufall.  Egal ob jemand in der Nähe des Grenzbahnhofs oder der 

sowjetischen Garnisonen eine Wohnung beziehen wollte, oder nur dort in der Nähe angeln wollte, überall versuchte das MfS " potentielle Spione" möglichst fernzuhalten. 

Selbst wer auf dem sich neben einer sowjetischen Garnison befindlichen " Alten Kietzer Friedhof" ein Grab pflegte, geriet ins Visier der Staatssicherheit. Denn nach der damals herrschenden Sicherheitsdoktrin konnte jeder ein Spion sein. 

Besonderer Aufmerksamkeit "erfreuten" sich Fremde. Ganz besonders dann, wenn sie Interesse für den Bahnhof oder die Garnisonen zeigten. 

 

Bildquelle: BSTU / Außenstelle Frankfurt (Oder)

Der 1945 von der sowjetischen Armee als Bürgermeister eingesetzte Karl Schimmeyer ist den älteren Einwohnern unseres Ortes noch heute unrühmlich in Erinnerung geblieben. Schimmeyer galt als Prototyp eines fanatischen Kommunisten.  Auf seine Veranlassung durften nach 1945 viele frühere Einwohner wegen angeblicher oder tatsächlicher " NS-Belastung" nicht mehr nach Kietz zurückkehren. Schimmeyer, der nach dem Stand der bisherigen Erkenntnisse bereits vor dem Krieg dem Kommunismus nahe stand, übte einen undifferenzierten Hass gegen alles und jeden aus, der über eine NS-Vergangenheit verfügte. 

Noch heute wird Schimmeyer als verbissener Ideologe geschildert. Man sollte aber nicht vergessen, dass selbst jemand wie er, der die Nazis und ihre Politik von Anfang an abgelehnt hatte, als Soldat in ihren verbrecherischen Krieg ziehen musste. Diese Teilnahme bezahlte er mit dem Verlust eines Beines. Später kamen Gerüche auf, wonach Schimmeyer in der Sowjetunion als Soldat an Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung teilnehmen musste. 

Lagen darin die Gründe für seinen späteren Fanatismus und die ebenfalls von Zeitzeugen beschriebene besondere Anbiederung an die im Ort stationierten sowjetischen Offiziere?

 

 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Die Umbenennung von Küstrin-Kietz, zunächst in Friedensfelde, später in Kietz, im Jahre 1954, erfolgte ausschließlich aus ideologischen Gründen. Und keineswegs demokratisch! Obwohl die Bürger formell ihre Meinung zu dem "Verwaltungsakt" abgeben konnten. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend, sorgten Propagandaaktionen im Vorfeld dafür, dass gegenteilige Meinungen nicht öffentlich geäußert wurden. Küstrin galt als Synonym für Militarismus und Kriegshetze. Wer wollte schon ein "Kriegshetzer" sein?

Aber auch hier ist Differenzierung angesagt. Küstrin-Kietz fiel 1945 fast vollständig in Trümmern. 1954, neun Jahre nach dem Grauen, waren die Ereignisse im Bewusstsein der Menschen noch immer präsent. Nie wieder sollte vom deutschen Boden ein Krieg ausbrechen! Aus diesem Blickwinkel sollte der gewählte Name, Friedensfelde, so lächerlich er aus heutiger Sicht erscheinen mag, durchaus auch betrachten werden. 

Der Zweck heiligt jedoch nicht die Mittel! Friedensfelde konnte sich als neuer Ortsname, schon aus verwaltungstechnischen Gründen, nicht durchsetzen.  Schon im Herbst 1954 erhielt unser Ort den Namen Kietz. Ein Kompromiss mit den sich viele Einwohner durchaus anfreunden konnten. Am 03. Oktober 1991 erfolgte die Rückbenennung in Küstrin-Kietz. Dennoch fühlt sich der Großteil der Bewohner noch heute ausschließlich als Kietzer. 

 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland


Die 1953 gegründete LPG " Walter Ulbricht" gehörte zu den ersten Genossenschaften im damaligen Kreis Seelow. Und zu den Leistungsschwächsten. Über lange Zeit konnte die LPG ihre selbst gestellten Ziele nicht erfüllen. 

 

Bildquelle ; Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Die Leistungsstarken Bauern, wie Herbert Barleben, schafften es jahrelang erfolgreich ihre Selbstständigkeit erfolgreich zu bewahren.

 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

Dieser Artikel sollte sich wenig später als Fake erweisen.

 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

 

Schwere Vorkommnisse blieben im Grenzabschnitt Kietz aus. Obwohl sich die Menschen an dieser geschlossenen Grenze nicht begegnen konnten, legte die Propaganda hohen Wert auf ein "ausgezeichnetes Verhältnis zum polnischen Nachbarn". 

Der Wahrheitsgehalt dieses Artikels darf bezweifelt werden-

Kietz sollte zum " Sozialistischen Musterdorf" umfunktioniert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, zog die SED alle Register. Aus diesem Grund wurde eigens Unterstützung aus der Hauptstadt Berlin in die Provinz an der Oder entsandt. Eine Kontroll-Brigade schwärmte im Ort aus, um ideologische und andere Schwachstellen aufzuspüren. Anschließend wurden Schaltstellen, wie die Posten des Bürgermeisters und des LPG-Vorsitzenden, von Parteifunktionären aus Berlin besetzt. Bereits wenige Jahre später kehrten beide wieder desillusioniert, ohne durchschlagenden Erfolg, in die Hauptstadt zurück. 

 

 

Bildquelle : Kreisarchiv Märkisch-Oderland

 

Die Einschätzung der politischen Arbeit in Kietz  aus Sicht der SED

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

 

Auch zu DDR-Zeiten stand und fiel das örtliche Leben mit der Qualität des jeweiligen Bürgermeisters. 

In Kietz agierten zwischen 1945 und 1990 als Bürgermeister

- Karl Schimmeyer 

-  Richard Baudach

- Karl Rehfeld

- Otto Stosch 

- Herbert Barleben

- Karl Knaus

- Reinhold Rebel

- Willi Schwekutsch

- Willi Reimann

- Siegmar Bartel

- Waldemar Rosolowski

 

In der Amtszeit einiger Bürgermeister fielen durchaus sehenswerte Erfolge. Zum Beispiel der Bau der Wasserleitung aus dem polnischen Kostrzyn zur Versorgung des Ortes Kietz mit Trinkwasser, Ende 1962. Oder der Bau der Wohnblöcke in der Friedensstraße um die Mitte der Sechziger Jahre. 

Bleibende Verdienste erwarb vor allem Waldemar Rosolowski, in dessen Amtszeit manch dringend notwendiges Vorhaben realisiert werden konnte. 

 

Bildquelle : Kreisarchiv Märkisch-Oderland

 

 

Viele Dinge konnten jedoch nur in die Tat umgesetzt werden, weil die Bürger von Kietz tatkräftig mit anpackten. 

 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

 

Auch die Ortsgruppe des " Deutschen Anglerverbandes" half bei der Verschönerung des Ortes. 

 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

 

Bei seiner Arbeit stützte sich der Bürgermeister auf seinen Gemeinderat, der aus den Gemeindevertretern bestand. 

Manche von ihnen, wie Karl-Heinz Henschel, Otto Johne und Konrad Miethke, agierten über Jahrzehnte im Gemeinderat.

 

 

Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland

 

   

 

 

         Ungeachtet allen persönlichen Engagements verschärften sich 

          Ende der Achtziger Jahre auch in Kietz, wie in der gesamten

          DDR, die Widersprüche. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln 

          konnte im Konsum kaum noch gewährleistet werden. 

          Versorgungsmängel bestanden auch auf anderen Gebieten. 

           Bürgermeister Rosolowski bewies Rückgrat, in dem er den Rat

           des Kreises auf diese Mängel und den sich daraus ergebenen

            Unmut unmissverständlich hinwies.  

 

            Bildquelle: Kreisarchiv Märkisch-Oderland