Bräunings Reiseführer durch die Neumark
Das dem Oderbruch auf dem anderen Ufer der Oder gegenüberliegende Gebiet, die heute zu Polen gehörende Neumark, ist eine sehr reizvolle Gegend. Auf diesen Seiten möchte ich diese Landschaft und einige ausgewählte Orte, denen man ihre historische Bedeutungen nicht immer auf dem ersten Blick ansieht, näher vorstellen. Dörfer in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, umgeben von verträumten Wäldern, berühmte Schlachtfelder aus der Zeit Friedrich des Großen aber auch Zeichen beginnenden Fortschritts....
Die polnische Grenzregion hat mehr zu bieten, als Tankstellen und Zigarettenläden!
König Friedrich der Große von Preußen
Kunowice/Kunersdorf
ein kleines Dorf mit großer Vergangenheit
Dem nur wenige Kilometer von der polnisch-deutschen Grenze bei Slubice/Frankfurt(Oder) entfernten Kunowice sieht man seine historische Bedeutung keinesfalls auf dem ersten Blick an. Am Ortseingang künden schmucke erst unlängst entstandene oder noch entstehende Eigenheime von einem gewissen Wohlstand der einheimischen Bevölkerung. Am Ortsausgang in Richtung Osno Lubuskie (Drossen) steht, ungewöhnlich für diese Gegend, ein sowjetisches Panzerdenkmal. Was die Kunowicer davon halten, erkannt man unschwer am Zustand des Denkmals. Die Umzäunung ist fast vollständig zerstört, Flaschen und sosntiger Abfall "zieren" das Umfeld des Panzers.
Wo aber liegt denn nun die eingangs erwähnte historische Bedeutung von Kunowice?
Kunowice hat geschichtlich gesehen keinerlei Bedeutung, wohl aber das frühere deutsche Kunersdorf! Standen sich doch hier am 12.08. 1759 eine Streitmacht unter dem Befehl des Preußenkönigs Friedrich II. und eine vereinigte Armee von Österreichern und Russen gegenüber. Die Schlacht kostete nicht nur 38.000 Menschen das Leben, sie hätte beinahe auch zum Ende der damaligen europäischen Großmacht Preußen geführt. Am Abend nach der Schlacht standen dem Preußenkönig nur noch 3000 Soldaten zur Verfügung. Dem Gegner wäre es ein leichtes gewesen, dass nur 100 Kilometer entfernte Berlin anzugreifen und zu besetzen. Doch die Verbündeten waren sich uneins über das weitere Vorgehen. Schließlich zogen die feindlichen Truppen nicht nach Berlin, sondern wie Friedrich der Große später sagte, "von Müllrose nach Lieberose". Das später als "Wunder des Hauses Brandenburg" bezeichnete Ereignis, hatte verschiedene Ursachen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.
Um den Verlauf der Schlacht bei Kunersdorf ranken sich seit jenen Tagen die verschiedensten Legenden. Eine Legende berichtet von einer Musketenkugel welche die königliche Uniform in Höhe des Herzens durchbohrte, aber von einer goldenen Schnupftabakdose aufgehalten wurde.
Auch über die legendäre Rettungsaktion des Majors von Prittwitz gegenüber Friedrich dem Großen, auf dem Mühlberg, gibt es verschiedene Geschichten und sogar Gemälde.
In der Zeit des Nationalsozialismus entstand ein Spielfilm, welcher die Schlacht bei Kunersdorf unter dem Titel "Der Große König" zum Thema hatte. Dieser unter der Regie von Veit Harlan gedrehte Streifen ist voll übler, geschickt versteckter Nazipropaganda und deshalb ohne historischen Wert. So wird beispielsweise suggeriert, dass das "Versagen" eines einzigen Regimentes, den "Bernburgern", dem König den sicheren Sieg kostete. Die Soldaten dieses Regimentes weigerten sich einen Angriff auf eine befestigte Stellung durchzuführen, da diese Aktion den sicheren Tod der meisten Soldaten zur Folge gehabt hätte.
Heute weiß man das die Niederlage Preußens aus der Summe von Fehlentscheidungen des Preußenkönigs resultierte.
Teile des ehemaligen Schlachtfeldes wurden in den letzten Jahren zu Bauland umgewandelt. Trotzdem kann man noch einige der Schauplätze jener Schlacht besichtigen. Ein Hohlweg führt direkt in den "Kuhgrund", in dem nach dem Ende des Kampfes tausende Preußen gedrängt und regelrecht abgeschlachtet wurden. Das Gelände kann nach Westen hin eingesehen und auch betreten werden.
Am 15.08. 2009 fand auf historischem Grund eine Darstellung der Schlacht von Kunersdorf, unter Mitwirkung von Akteuren aus Polen und Deutschland, statt. Vieleicht hat ja dieser Tag eine Art "Initialzündung" in Polen bewirkt? Öffentlich wurde der Bau eines Museums über die Schlacht von Kunersdorf, bei dem u.a. Originalfundstücke ausgestellt werden, verkündet.
Unter den begeisterten Zuschauern der Schlachtnachstellung befanden sich sehr viele junge Polen. Es hat den Anschein das unsere europäischen Nachbarn die historische Bedeutung ihrer Heimat immer mehr erkennen. Die Geschichte dieses Landstrichs hat nun einmal nicht im Jahre 1945 angefangen!
Historisches Biwak in Kunowice am 15.08.09
Dieser Weg führt direkt zum früherem Schlachtfeld
Aufmarsch der Truppen
Der König beobachtet den Verlauf der Schlacht: "Es steht nicht gut um Preußen".
Nahkampf
Die Österreicher im Pulverdampf
für die Schlachtdarstellung durfte der Preußenbanner wieder über Kunersdorf wehen
Gruppenfoto nach der "Schlacht".
Tamsel -Schauplatz einer königlichen Liebesaffäre und dem Scheitern einer deutsch-polnischen Vision
Schloß Tamsel
Bei Theodor Fontane kann man folgendes über Tamsel, das heutige Dabroszyn, lesen:
- Tamsel ist ein reiches schön gelegenes Dorf, etwa eine Wegstunde nordöstlich von Küstrin. Waldhügel, deren gewundene Linien mutmaßlich das Bett der alten Warthe bezeichnen, schließen es von Norden her ein, während nach Süden hin die Landschaft offen liegt und die Flußarme in allerlei Widungen sich durch das Bergland ziehen.
Die Küstriner hängen mit einer Art Begeisterung an Tamsel, und bei bloßer Namensnennung überfliegt ein Lächeln ihre Züge, nicht unähnlich jener stillen Heiterkeit, mit der echte Berliner, soweit es deren noch gibt, den Namen Charlottenburg auszusprechen pflegen.-
Ob heutzutage die bloße Nennung des Namens Dabroszyns bei den Kostrzynern ein Lächeln hervorzaubert, darf bezweifelt werden. Auf den ersten Blick erinnert im Ort nicht mehr viel an den Glanz vergangener Tage. Das einstige Schloß steht nach einer unvollständigen Renovierung zum Verkauf an und der angrenzende Park weist Spuren von Verwilderungen auf. Die Steinfiguren an der Einfahrt zum Schloßgelände wirken grau und traurig, Vandalismus und sinnlose Zerstörungen haben ihre unverkennbaren Spuren hinterlassen. Und doch lohnt sich ein Zwischenhalt in Dabroszyn /Tamsel um sich mit der interessanten Geschichte und auch Gegenwart dieses geheimnissvollen Ortes zu beschäftigen.
Schloß Tamsel in seiner heutigen Form, wurde im 17. Jahrhundert von dem als Haudegen bekannten Reitergeneral Hans Adam von Schöning erbaut. Im Jahre 2001 wurde bei den Renovierungsarbeiten eine aus dieser Zeit stammende Wandmalerei freigelegt! General Schöning nahm an der Schlacht gegen die damals ganz Europa bedrohenden Türken bei Wien im Jahre 1683 teil. Dabei wurden zwei türkische Mädchen gefangengenommen und nach Tamsel verbracht.
Während eine der jungen Türkinnen später an den Hof des Sachsenkönigs "August der Starke" kam und den in seinen Diensten stehenden General Rutowski heiratete, blieb die andere in der Neumark. Über ihr späteres Schicksal ranken sich unbewiesene Legenden. Laut einer dieser Legenden wurde Fatima, so hieß die Türkin, mit dem Tamseler Förster mit Namen Sperling, verheiratet.
Legenden ranken sich noch heute auch um den Aufenthalt des damaligen preußischen Kronprinzen Friedrich, dem späteren König Friedrich II. von Preußen, in Tamsel.
Bekanntlich wurde dieser im Jahre 1730, nach einem mißglückten Fluchtversuch auf Befehl seines königlichen Vaters, in die Festung Küstrin gesperrt. Dort musste er die Hinrichtung des Leutnants von Katte, welcher sein Freund und Fluchthelfer war, mitansehen. Nachdem sich Friedrich in sein Schicksal fügte und gegenüber seinem Vater so etwas wie Einsicht signalisierte, lockerte dieser die strengen Haftbedingungen. Der Königssohn absolvierte in Küstrin so etwas wie eine Ausbildung in Verwaltungslehre und Ökonomie und durfte nun auch an den Wochenenden hin und wieder das Areal der Stadt und Festung Küstrin verlassen.
Zu den Lehrern Friedrichs gehörte zu jener Zeit auch ein Oberst von Wreech, verheiratet mit einer Enkelin jenes Hans Adam von Schöning, Namens Luise Eleonore von Wreech. Der Oberst lebte mit seiner Frau und drei Kindern auf Schloß Tamsel. Dorthin lud er eines Tages den sich nach Abwechslung sehnenden Kronprinzen ein. Überliefert ist, dass der Oberst welcher auch Besitzer der umliegenden Dörfer war, mit dem Kronprinzen auf die Jagd ging. In die Geschichte eingegangen, immer wieder hinterfragt und doch nie bewiesen, ist aber vielmehr die angebliche Liebesbeziehung zwischen jenem späteren König und der Ehefrau des Offiziers.
Das Kronprinz Friedrich das Leben auf Schloß Tamsel, besonders die Konzerte und Bälle, mit Freude aufgenommen hat, darf als gesichert angesehen werden. Eines der Hauptaspekte für den ausgebrochenen Vater-Sohn-Konflikt "bei Königs" war Friedrichs Begeisterung für Musik und Literatur. Diese konnte und wollte sein ebenso pragmatischer wie cholerischer Vater nicht teilen, was dieser ihm nicht nur verbal spüren lies. Die Militär und Verwaltungsbeamten Küstrins konnten dem jungen Kronprinzen zwar viel für sein späteres Leben mitgeben, aber dessen kulturellen Bedürfnisse konnten sie natürlich nicht befriedigen.
Auf Schloß Tamsel entfloh Friedrich wenigstens für Stunden der von ihm als bedrückend empfundenen Enge Küstrins. Hier fand er die lang ersehnte Ablenkung. Diese bestand allerdings nicht nur aus diversen Flötenkonzerten, sondern auch aus intensiven Gesprächen mit der damals vierundzwanzigjährigen durchaus attraktiven Schloßherrin. Bei einem gemeinsamen Spaziergang durch den Schloßpark soll Frau von Wreech den Kronprinzen scherzhaft " le grande Frederike" was soviel wie der Große Friedrich bedeutet, genannt haben. Beide ahnten wohl damals nicht, dass eben dieser Friedrich später einmal unter genau diesem Namen in die Geschichte eingehen würde.
Im Jahre 1731, zum Zeitpunkt der Gespräche und Spaziergänge, war er nur ein sensibler schwärmerischer junger Mann, der die ältere Frau von Wreech unfreiwillig belustigte. Fontane hatte in seinem "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" Tamsel ein eigenes Kapitel gewidmet, ich hatte bereits am Anfang daraus zitiert. In eben jenem Kapitel finden sich Passagen aus den Briefen welche Friedrich der Frau von Wreech von Küstrin aus zukommen lies. Man kann zu Friedrich II. stehen wie man will, es waren diese Briefe die mich persönlich mit tiefer Sympathie für den König erfüllten.
Seit dem Jahre 1982 als ich Fontanes Reisebeschreibungen zum ersten Mal las, lies mich die Geschichte nicht mehr los.
Schon früh hatte man dem Kronprinzen eine Affaire mit der Frau von Wreech angedichtet und dem König bei einem seiner Hobbys, Pfeiferauchen und Biertrinken, zugetragen haben. Der rustikale Friedrich Wilhelm II. soll über die Eskapaden seines Sohnes übrigens befriedigt geschmunzelt haben.
Die Frage ob zwischen den beiden mehr als nur Gespräche stattgefunden hatten, ist nie wirklich geklärt worden.
Man behauptete unter anderem, dass Frau von Wreech von Friedrich schwanger wurde, dass Kind verschwand allerdings analog wie die Türkin Fatima, im Dunkel der Historie.
Wurde es einer Familie aus der Umgebung zur Adoption übergeben? Gab oder gibt es womöglich Menschen welche ohne es zu wissen direkte Nachkommen Friedrich des Großen sind? Ein ebenso spannender wie hypothetischer Gedanke, der selbst im Zeitalter der DNA-Analysen rein theoretischer Natur bleiben dürfte.
Der Kriminalschriftsteller Horst Bosetzky, besser unter dem Kürzel " ky" bekannt, hatte in seinem Roman "Tamsel" so gar den Zeugungsakt beschrieben. Aber der war eben nur der " kriminellen Phantasie" des guten Horst entsprungen und nur gut für eine weitere Legende.
Im Jahre 1732 endete Friedrichs Küstriner "Verbannung" und damit auch seine Kontakte zur Frau von Wreech. Er sah zwar Tamsel sechzehn Jahre später, unmittelbar nach der Schlacht bei Zorndorf, wieder, jedoch nicht die Schloßherrin. Diese war vor den anrückenden, plündernden und mordenden russischen Kosaken auf ein Nachbargut geflohen.
Eine gute Entscheidung, denn die Kosaken richteten in Tamsel ein regelrechtes Blutbad an. Sie plünderten nicht nur das Dorf und auch das Schloß regelrecht aus, sie ermordeten auch viele der Bewohner. Im Schloßpark lagen neben dem erschlagenen Lehrer der Wreechschen Kinder, die Leichen von über hundert geschändeter Bauernfrauen aus Tamsel.
Friedrich sah sich gezwungen das wenige was an Nahrung für seine erschöpften Soldaten oder die Armeepferde dienen konnte, zu requirieren. Er lies seiner früheren Angeteten ein Schreiben zukommen, in welchem er diese harte Maßnahme begründete. Frau von Wreech reagierte trotzdem mit großer Verstimmung und auch die später erfolgte finanzielle Wiedergutmachung konnte die verbitterte Frau nicht mehr für den König einnehmen.
Nachdem Tode der Frau von Wreech übernahm die Familie von Schwerin die Geschicke auf Schloß Tamsel.
Der als gutmütig und leutselig geltende Graf Hermann von Schwerin, ein Urenkel der Frau von Wreech, lies im Jahre 1840, im Schloßpark ein Denkmal für Friedrich den Großen aufstellen. Kein geringerer als der berühmte Bildhauer Christian Daniel Rauch wurde mit der Anfertigung beaufragt. Das Denkmal, dessen oberes Ende die germanische Siegesgöttin Viktoria ziert, wurde am Lieblingsplatz Friedrich des Großen im Tamseler Schloßpark, errichtet. Hier auf einer kleinen Anhöhe, hat man einen hervorragenden Blick auf Park und Schloß.
Der Park ist noch heute zu bewundern. Die uralten Bäume sind stumme Zeugen der vorgeblichen Liebesaffäre, denn unter ihren Wipfeln sind Frau von Wreech und Friedrich der Große bereits entlanggelaufen. Der ungepflegte Park verwildert jedoch immer mehr.Das Denmal steht noch immer an seinem Platz, allerdings wurden sämtliche Gedenktafeln für den König entfernt. Die Flügel der Viktoria sind durchlöchert. Im Jahre 1945 hatte sich für ein paar Tage der Stab des sowjetischen Marschalls Schukow im Schloß Tamsel einquartiert. Bei dieser Gelegenheit hatten einige Offiziere Zielübungen auf die Siegesgöttin veranstaltet.
Der sich hinter dem Denkmal befindliche Teich ist heute nur mehr ein schlammiger Tümpel.
Die frühere aus Rüdersdorfer Kalkstein erbaute Schloßkirche befindet sich in einem guten Zustand. Im Inneren findet man steinerne Abbilder Hans Hermann von Schönings und dessen Ehefrau. Direkt vor dem Schloß verwittert im Gras die Grabplatte eben jenes Reitergenerals, die Inschrift ist noch erkennbar.
Es hat in der jüngeren Vergangenheit nicht an Versuchen von Deutschen und Polen gemangelt, Tamsel aus seinem "Dornröschenschlaf" zu wecken. Es mangelte weder an Visionen noch an gutem Willen einzelner. Besonders hervorzuheben ist das Engament Jutta von der Lanckens, der Witwe Maltes von der Lancken, dem Enkel der letzten deutschen Besitzer Tamsels. Anfang der neunziger Jahre besuchte sie in Begleitung ihres damals schon todkranken Mannes, das erste Mal Tamsel. Nach dessen Ableben gestatteten ihr die Polen während der Sommermonate im Schloß zu wohnen. Die freundliche Gräfin fand schnell Kontakt zu den Bewohnern des Dorfes, von denen sie voller Begeisterung " Pani Jutta" genannt wurde. Mit der rührigen Frau von der Lancken kehrte das kulturelle Leben zurück in das Schloß. Es fanden wieder Konzerte statt, interessierte Besucher aus Polen und Deutschland fanden sich ein und auch den Einwohnern Dabroszyn/Tamsels konnte die Geschichte ihrer Heimat nahegebracht werden. 1999 begann man die zerstörte Familiengruft in der sich unter anderem die sterblichen Überreste Hans Adam von Schönings und der Frau von Wreech befanden, wieder herzustellen. Alljährlich im August feierten Deutsche und Polen den Geburtstag der Gräfin gemeinsam auf Schloß Tamsel. Viele frühere Einwohner Tamsels traten mit den heutigen Einwohnern des Dorfes in Kontakt, so manches gegenseitige Vorurteil konnte endlich "über Bord geworfen werden". Großes hatte man mit dem Schloß vor. Es sollte renoviert werden und danach als Tagungsstätte fungieren. Im Keller wollte man eine Gaststätte, für alle, einrichten. Im Jahre 2000 begannen die Arbeiten. Halbherzig durchgeführt, richtete man großen Schaden an. Und nicht nur das, nachdem die EU den " Geldhahn" zugedreht hatte, dümpelt das Schloß ungenutzt einem ungewissen Schicksal entgegen. Für viele Leute aus der Region bedeutet dieser Umstand eine große persönliche Niederlage.
Aber solange sich Menschen für Tamsel und dessen Geschichte interessieren, darf man die Hoffnung nicht aufgeben!!!
eher eine gerupfte Taube als eine Siegesgöttin. Die Viktoria im Schloßpark von Tamsel
Jutta von der Lancken erhält auf den Treppen des Schloßes Glückwünsche zu ihrem Geburtstag
Wandmalerei aus dem 17.Jahrhundert
Erinerungstafel für Hans Adam von Schöning
Steinfigur an der früheren Toreinfahrt des Schloßes
Die frühere Schloßkirche
Ein Zeichen der Versöhnung: Erinnerungskreuze für die verstorbenen früheren Besitzer von Schloss Tamsel vor der Kirche
Blick in den ehemaligen Ahnensaal
der Brandenburger Adler auf einem Wappenschild aus dem Jahre 1710
Büste Hans Adam von Schönings in der Tamseler Schloßkirche
Lagow, die einstige Perle der Neumark
Der alles überragende Burgturm von Lagow
Das Lagow, ca. 35 km von der deutsch-polnischen Grenze bei Frankfurt (Oder) entfernt, als polnische Partnerstadt des bekannten brandenburgischen Kurortes Buckow fungiert, kommt nicht von ungefähr. Die engen Gassen an denen sich altehrwürdige Häuser förmlich anschmiegen, schmale Pflasterstraßen auf denen schon Postkutschen rollten, beide Städte sehen sich auf eine verblüffende Art und Weise ähnlich.
Wie Buckow ist auch Lagow von Seen, und mit dichten Wäldern bestandenen Bergen umgeben. Eine besondere Attraktion ist das sich auf einem Berg über der Stadt befindliche Johanniterschloß. Ein Aufstieg auf den alles überragenden Schloßturm ist aller Mühe wert, bietet er doch einen wunderschönen Ausblick auf die einzigartige Landschaft. Lagow ist auch als "polnisches Cannes" bekannt, finden doch hier alljährlich Filmfestspiele statt
Blick auf den Burgsee
Ein Hauch von Mittelalter- Einfahrt zur Burg am Berliner Tor
Blick vom Burgturm auf die Landschaft
Die Johanniterkirche vom Turm aus gesehen
Kalawa/ Calau - Eine Region im Schatten des Ostwalls
Landschaft bei Kalawa
Militärische Großbauten an der früheren deutschen Ostgrenze, bzw. in deren Nähe, weisen verblüffend ähnliche Eigenschaften auf. Alle wurden mit großem Aufwand erbaut, verschluckten riesige Mengen Geld und erwiesen sich als vollkommen nutzlos, als der befürchtete Ernstfall eintrat. Um die Mitte der dreißiger Jahre begann man entlang der damaligen Ostgrenze auf einer Länge von ca. 120 km, mit dem Bau von unterirdischen Bunkern und massiven Sperranlagen. Man wollte damit das die bei einem Angriff aus dem Osten (Polen/Russland) vermutete Hauptstoßrichtung, das so genannte " Lebuser Tor" blockieren. Aber bereits 1938 lies Hitler die Arbeiten am Ostwall stoppen. Die Technik und Bewaffnung wurde zu einem nicht geringen Teil zum so genannten "Westwall" verlagert, da man aus dieser Richtung die größere Gefahr vermutete. Als sich dann 1945 die sowjetische Armee der früheren Reichsgrenze näherte, spielte der Ostwall nur noch in den Durchhaltephrasen der Nazipropaganda eine Rolle. Es kam lediglich zu kleineren Kämpfen im Bereich des Ostwalls, so auch im Bereich von Kalau. In den meisten Fällen umgingen die Einheiten der Roten Armee den Sperrriegel einfach, so dass es lediglich geringen Zeitverzögerungen, nicht aber zu spektakulären Abwehrschlachten kam. Hitler selbst soll sich während einer Inspektion abschätzig über die hier eingesetzten Soldaten geäußert haben. Seiner Meinung könnte man hier nur Kräfte gebrauchen, welche für den offenen Feldeinsatz zu feige wären.
Bemerkenswerte Worte für jemanden, der die meiste Zeit des Krieges entweder hinter dicken Betonmauern oder unter der Erde verbracht hatte!
In Kalawa existiert ein kleines Bunkermuseum, wo man sich mit dem Grundprinzipien dieser militärischen Sperranlage vetraut machen kann.
Es ist auch möglich sich einer Führung durch die unterirdische Bunkerwelt anzuschließen. Das sich in Kalawa befindliche "Werk Scharnhorst", so lautet der korrekte Name dieses Bunkerabschnitts, ist noch weitgehend erhalten. Selbst die Unterkünfte der Soldaten sowie deren sanitären Anlagen kann man noch immer besichtigen. Die Temperatur in der Bunkeranlage beträgt ca. 10 Grad Celsius, ordentliche Kleidung und Schuhwerk sind daher unabdingbar!
Auf gar keinen Fall sollte man auf die Idee kommen, an welcher Stelle auch immer, auf eigene Faust den Ostwall zu erkunden. Ohne Übertreibung kann man davon ausgehen, dass massive Gefahren für Leib und Leiben drohen!!!
Übrigens haben die Bunker des Ostwalls doch noch etwas gutes! Sie dienen einer Vielzahl von den ansonsten fast ausgestorbenen Fledermäusen als Unterkunft.
Es hat eben alles sein Gutes!!
so genannte Drachenzähne zur Abwehr von gepanzerten Fahrzeugen
sowjetischer Panzer mit der Aufschrift "Popjeda" (Sieg)
unter diesem Hügel befindet sich der Eingang zur Bunkeranlage "Scharnhorst"
Oberirdische Kuppel eines Bunkerwerkes
Slonsk/Sonnenburg- Auf den Spuren der Johanniter
die Johanniterkirche von Sonnenburg
Von keinen anderen wurde das frühere Sonnenburg und dessen unmittelbare Umgebung so sehr geprägt, als von den Rittern des "Johanniterordens". Das Verhältnis der Polen zu diesem, auch als Kreuzritter benannten Ordens, darf mit Fug und Recht als ambivalent bezeichnet werden.Aus dem Mittelalter sind zahlreiche Kämpfe zwischen dem Orden und Polen bekannt. Der Sieg über die Kreuzritter in der Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1410 gehört noch heute zu den nationalen Mythen Polens.
Die Ordensritter waren allerdings nicht immer nur mit dem Schwert unterwegs! Sie stehen auch für die friedliche Kolonisation ganzer Landstriche. Sonnenburg verdankt den Johannitern u.a. ein Krankenhaus, von dem heute allerdings nur noch Trümmer zeugen. Die markante, weithin sichtbare Johanniterkirche kann besichtigt werden und bietet für deutsche Augen manche Überraschung. An den Bänken, der Decke und den Wänden ist das Zeichen des Ordens, das Lilienkreuz überall sichtbar. Man sieht auch die Wappenschilder der früher hier residierenden Ordensgroßmeister. Alles deutet darauf hin, dass sich das Verhältnis zwischen den heutigen polnischen Bewohnern von Slonsk/Sonnenburg und dem Orden immer mehr entkrampft. Es kam nicht von ungefähr, dass die Johanniterkirche auch durch finanzielle Unterstützung des noch heute existierenden Ordens renoviert werden konnte.
Für das gegenüberliegende Schloß ist allerdings keine Rettung mehr möglich. In den siebziger Jahren wurde es aus ungeklärter Ursache Opfer eines Brandes. "Böse Zungen" behaupten, dass sich kurz vor dem Brand eine Kommission der UNESCO in Slonsk aufgehalten hat. Die Stadt Slonsk soll die Auflage erhalten haben, sich um den Erhalt des Schlosses zu kümmern. Kurz dach ging es in Flammen auf.......
Wer sich in Slonsk aufhält, sollte sich unbedingt den Friedhof ansehen! Als Zeichen der Versöhnung wurden in der Nähe aufgefundene und noch erhaltene Grabsteine aus deutscher Zeit aufgestellt. Ein Kriegerdenkmal erinnert in deutscher und polnischer Sprache an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Einwohner Sonnenburgs. Dem Initiator der auf diese Weise erfolgten Ehrung der früheren Einwohner des Ortes, Herrn Kaczmarek, kann man wohl nicht genug danken!!!
Die Umgebung Sonnenburgs ist sehr reizvoll und weckt Assoziationen zum Oderbruch. Besonders im Frühjahr, wenn die Warthe über die Ufer tritt, gleicht sie einem See. Unzählige, teilweise sehr seltene Vogelarten wie Großtrappen und Kraniche, können dort beobachtet werden.
Schloßruine und Kirche von Sonnenburg
Deckenverzierungen in der Johanniterkirche
Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Einwohner Sonnenburgs
Grabstein des früheren Bürgermeisters von Sonnenburg, Otto Rubow, auf dem dortigen Friedhof
Im Wartgebruch bei Slonsk/Sonnenburg
